Aeife-Ariefe von Karl Aaller v. Kasserstein.*)
Mitgetheilt von R. Berg au. I.
Rom, 10. Januar 1810.
Ich bin heute mit einer Gesellschaft von Deutschen, worunter auch Werner war, endlich in der Villa Ludovisi gewesen; ich habe mich daselbst ^cht geweidet. — Es war zwar etwas kalt, aber übrigens ein vortrefflicher italienischer Wintertag. In dem einen der dasigen Casinos ist eine Sammlung von Anticken, Bildhauerei, aufgestellt, worunter einige vorzügliche Werke sind.
Der bekannte Kopf der Juno, Meisterwerk des hohen Sthls.--
Thornwaldsen glaubt, daß die ganze Figur existirt hat, und daß man wegen chrer Größe, den Kopf allein gearbeitet, und in den Rumpf zwischen das Gewand eingesetzt hat, was auch seine nach unten kegelförmige Bearbeitung Zeigen kann. — Mir gefällt er ganz von vorn, und dann ^ von der Seite ^gesehen, wo man die herrliche Contour an der Backe herabsieht, vorzüglich. Der Ausdruck an und um den Mund ist edel und hoch und der Kopf auf seinem Hals verräth einen wahren Sitz der Göttlichkeit. — Es ist Schade, ^ß er hier nicht in einem bessern Lichte steht. — Als Contrast im hohen Styl steht nebenbei die Gruppe Vulean und Proserpina von Bernini, an welcher wieder bis zum Staunen der Marmor bearbeitet ist. — Ueber derselben ein herrliches Basrelief, dessen linke Hälfte doch ganz Restauration ist. Es stellt das Urtheil des Paris dar. — Paris als Hirt vor einem Theil seiner Heerde in der Mitte sitzend, indem ihm Amor rücklings ins Ohr fispert, ^ie er unter denen vor ihm stehenden Göttinnen wählen soll, ist sehr gut. —
") Im Anschlüsse an unsere Mittheilung in Jahrgang 1875, I. Seite 202 ff. dieser Blätter geben wir hier noch zwei Briefe von der Forschungsreise des berühmten Architekten Haller, welche gleich werthvoll sind wegen der darin mitgetheilten Thatsachen, sowie als Beträge zur Kenntniß dieses talentvollen und hoch verdienten Mannes, welcher seiner Thätigkeit durch den Tod leider viel zu früh entrissen wurde.
Grenzbotcn I. 1876. 31