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Zur Statistik der Hausindustrie. II.
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Zur Statistik der Hausindustrie.

Von Max Wirth. II.

Einer zweckentsprechenden Reformarbeit, durch welche angemessene neue Be­schäftigungen ermittelt werden könnten, steht ein erst in neuerer Zeit aufgetauchtes und Mode gewordenes Vorurtheil im Wege, welches die Frauen überhaupt in ihrer Beschäftigung auf die Hauswirthschaft beschränken möchte. Die An­hänger dieser Richtung bewegen sich entweder in dem beschränkten Jdeenkreise einer bestimmten Berufs-Classe oder überhaupt in so kleinstädtischen Anschauungen, daß sie die Bedürfnisse der Frauen in Beziehung auf Erwerb und Unterhalt im all­gemeinen z. B. nach den Verhältnissen der Frauen und Töchter der Beamten beurtheilen. Die Vertreter dieser Richtung scheinen gar nicht zu wissen, daß bis in den Anfang unseres Jahrhunderts hinein sämmtliche Frauen mit Ausnahme der reichen im Hause strickten und spannen und überhaupt gewerbliche Erzeugnisse herstellten, ja daß heute noch die große Mehrzahl der Frauen als Gehilfinnen des Haushaltungsvorstandes in dessen Berufsarbeit thätig sind, sei es daß sie, wie bei den Bauern, in der Landwirthschaft mithelfen, sei es daß sie ge­wisse Verrichtungen bei den Handwerken übernehmen, in Läden den Verkauf, die Buchführung oder die Casse besorgen. Es handelt sich also bei der um­fangreicheren Einführung der neuen Hausindustrie nicht einmal um eine Na- dikalreform, sondern nur um einen Ersatz und um eine Nachhilfe in einer längst bestehenden, in ihren Verhältnissen nur etwas veränderten socialen Einrichtung.

Es muß anerkannt werden, daß bereits die Gesetzgebungen vieler Länder sich sowohl von diesem Vorurtheil freigehalten haben, als auch manche Staaten große Anstrengungen im Interesse der Einführung und Verbreitung der neuen Hausindustrie gemacht haben.

Bei der bekannten Indolenz der Landbevölkerung muß in Beziehung auf die Verbreitung der neuen Hausindustrien der Regierung eine weitgehende Initiative zugewiesen werden. In manchen Fällen kann dieselbe im Interesse des allgemeinen Wohles sogar noch weiter gehen als die Pflege der Erziehung überhaupt, mit welcher die Pflege der Gewerbe eigentlich einen Hauptberüh­rungspunkt hat. Es muß nämlich im Auge behalten werden, daß die Quelle des Nationalwohlstandes weniger im beweglichen und un­beweglichen Vermögen als in der Bevölkerung selbst liegt und daß das Nationaleinkommen durch sorgfältigere Erziehung, durch bessere tech­nische und wissenschaftliche Ausbildung leicht um das Doppelte und Mehr­fache gesteigert werden kann. Es läßt sich unter solchen Umständen leicht