Karl August von Weimar.
Von Prof. G. Zeiß.
Am 3. September d. I. ist in Weimar die Statue des Groß Herzogs Karl August enthüllt und zugleich der Tag gefeiert worden, an welchem vor hundert Jahren Karl August die Regierung seines Landes angetreten hat. Es ist das zunächst ein Fest der Weimaraner, welche durch dieses Standbild dem weisen, gerechten und wohlthätigen Fürsten, dem Vater des Landes, ihren Dank aussprechen wollen; es ist aber auch ein Fest für jeden gebildeten Deutschen, weil von Karl August nicht nur für des Deutschen Vaterlandes Ehre und Freiheit gestrebt, gerungen und gekämpft worden ist, sondern weil durch ihn die deutsche Kunst und Wissenschaft, namentlich die deutsche Poesie, auf jene Höhe der Vollkommenheit erhoben worden ist, welche sie vorher nie erreicht hatte und wohl nie wieder erreichen wird. Es ist dieser Tag aber auch ein Fest jedes gebildeten Menschen, weil der Großherzog Karl August als Verbreiter der Bildung und Aufklärung, als Förderer des Wahren, Guten und Schönen, als Wohlthäter der Menschheit von den Gebildeten aller Länder und Völker mit inniger Verehrung gepriesen wird. Schon bet seinen Lebzeiten wurde der edle und große Fürst weit über die Grenzen seines Landes und des deutschen Vaterlandes hinaus gelobt und gerühmt; und wie ihn die Mitwelt liebte und verehrte, so zählt ihn die dankbare Nachwelt zu den besten Männern aller Völker und Zeiten.
Schon die Geburt des Erbprinzen Karl August hatte große Freude im ganzen Lande erregt, weil der Herzog Constantin schwächlich und kränklich war, und das Weimarische Fürstenhaus erloschen wäre, wenn der Herzog Constantin, ohne einen Erbprinzen zu hinterlassen, gestorben wäre.
Als der Herzog Constantin bereits am 28. Mai 1768 aus dem Leben geschieden war, wuchs der Erbprinz unter der Vormundschaft seiner vortrefflichen Mutter, einer Nichte Friedrich's des Großen, unter der Leitung seines ausgezeichneten Erziehers, des Grafen Görtz, und unter dem Beistand hervorragender Lehrer, wie namentlich Wieland's, heran. Bereits in seinem ersten Berichte rühmt der Graf Görtz, daß der fünfjährige Erbprinz die Fähigkeit Grenzbotm III. 1.S75. 56