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Mark Twain im heiligen Lande.
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die ganze christliche Familie in der Gewalt des muhammedanischen Scheichs, damit er sie nach Gutdünken mit Geld- und strenger Körperstrafe belege. Als ich zu Pferde stieg," erzählt Herr Grimes,bat Jusef mich noch einmal, dazwischen zu treten und Mitleid mit ihnen zu haben; aber ich blickte die dunkeln' Gesichter in der Runde an und konnte keinen Tropfen Mitleid mit ihnen in meinem Herzen finden." Er schließt sein Bild mit einem purzel­baumschlagenden Ausbruch von Gutgelauntheit, der einen schönen Contrast zu dem Jammer der Mutter und ihrer Kinder bildet.

Noch ein Paragraph aus dem Gefühlsleben unsres würdigen Grimes: Dann beugte ich abermals mein Haupt. Es ist keine Schande, in Palästina geweint zu haben. Ich weinte, als ich Jerusalem sah, ich weinte, als ich im Sternenlichte zu Bethlehem lag, ich weinte an den gesegneten Ufern des Galiläischen Meeres Meine Hand hielt deshalb den Zügel nicht weniger fest, mein Finger zitterte nicht am Drücker der Pistole, als ich mit ihr (natür­lich weinend) an den Gestaden des blauen Wassers hinritt. Mein Auge wurde durch jene Zähren nicht getrübt, me^ Herz in keiner Weise zaghaft gemacht. Möge der, welcher zu meiner Rührung die Nase rümpft, diesen Band hier zuschlagen; denn er wird in meinen Reisen durch das heilige Land wenig finden, was seinem Geschmacke zusagt."Nie," so sagt Mark Twain zu dieser Diatribe,bohrt er nach Wasser, ohne auf Wasser zu stoßen."

Unser Humorist weint natürlich Jerusalem nicht an. Selbst seinePil- grime" kriegen das nicht fertig.Ich verzeichne es hier," so bemerkt er beim ersten Blicke auf die heilige Stadt,als eine bemerkenswerthe, aber den Be­treffenden nicht zur Unehre gereichende Thatsache, daß nicht einmal unsere Pilgrime weinten. Ich glaube, daß sich in der Gesellschaft kein Einziger befand, dessen Gehirn nicht voll von Gedanken, Bildern und Erinnerungen war, wie sie die großartige Geschichte der ehrwürdigen Stadt, die vor uns lag, hervorruft, aber trotzdem war unter ihnen allen keineStimme, die da weinete." Es war kein Anlaß, Thränen zu vergießen. Die Gedanken, die Jerusalem erweckt, sind voll Poesie, voll Erhabenheit, voll Würde. Solche Gedanken finden aber ihren angemessnen Ausdruck nicht in Dingen, die in die Kinderstube gehören" ....

Indeß, niemand entgeht seinem Schicksal ganz, und das Schicksal der Sterblichen ist, gelegentlich zu weinen. Auch unser Mark Twain muß daran glauben, nur einmal, aber doch einmal. Nicht weit von der Stelle in der Kirche des heiligen Grabes, an der die Mönche dem Wallfahrer den Mittel- Punkt der Erde und damit zugleich die Stelle zeigen, wo Gott den Staub hernahm, aus dem er Adam schuf, befindet sich eine dritte große Merkwürdig­keit das Grab nämlich dieses Vaters des Menschengeschlechts, und hier Grmzboten III. 1875. 34