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Das Vermächtnis des Pfarrers Fahrenbruch von Gorsleben aus dem Jahre 1545 : eine Kriminalgeschichte aus deutscher Vergangenheit.
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aber alles confirmiret, ist Fräulein Stella aus diesem Erdenthale schieden zur ewigen Freud und nahm Herr Barthel von Germar alles in Besitz, außer 9000 Goldgulden, welche ich schon hatte und ich nichts von sagte.

46. Obgleich nun das Kloster Oldisleben im Bauerntroubel zerstört worden war, wobei viel alte schöne Nachrichten über Gorisleben, welche dort hinkommen, verlohren gangen, so anmaaßte sich doch die Obere jenes Orts auch jetzt noch allerlei Recht und verlangte ein groß Theil von der seligen Stell« Reichthum, schickten auch als Legaten, welcher sie vorher erst aufhetzt und spornirt hatte, Herrn von Altendorf, welcher aber darüber mit Herrn Barthel von Germar so in Hader gerieth. daß der letzt ihm den Degen durch den Leib rannte, worüber groß Unheil entstand und Herr Barthel flüchtig worden auf einige Zeit.

47. Deshalb und, weil ich das Geld gar nicht sicher glaubte bei solch bedenklicher Zeit, da auch die Amts-Oberen gegen die Kirche feindlich gesinnt, habe ich mir einen Bertrauten aus der Gemeinde gewählt, einen gar ver­schwiegenen Mann namens Chilian Grossen und das Geld mit dessen Bei­hülfe zwischen Herrn Erwin und Fräulein Stella's Gräbern in der Johannis- kirche in die Erde gesenket, da es jetzt von keinem Nutz sein konnte.

48. Schon während des Arbeitens, was wir bei Lampenschimmer in der Nacht vornahmen, ächzt und seufzt Grosse gar tief und ward nachher von immer mehr Angst befallen. Auf mein Befragen, was ihm ankommen, seufzt er abermals, fragt sodann, ob er gehalten sei, einen gezwungenen Eid zu halten ohne meine Antwort darauf sagt er weiter:Ach ich bin in großer Zwiespalt mit meinem Gewissen, mag auch die Höll mein Lohn sein, hier auf diesem Platz habe ich die Mörder des Herrn Erwin sehn."

49.Was", rief ich bestürzt,was? erzähle Unglücklicher!" und jener sagte mit Zittern;Geh einstmalen an der Kirchen hier vorbei, hör Menschen­stimmen, ganz dumpfe, Furcht fällt über mich, also ich Gott im Gebet an­rufe, daß er mir Stärke giebt, all Furcht zu überwinden und trete unter seinem Beistand in die Hall; da scheint der Mond herein durch die gebrochen Bogen und ich erblick den schändlichen Altendorf mit einem Gesellen, wie sie mörderisch über Herrn Erwin herfallen."

60.Alsbald entfährt mir ein Schrei, die Mörder schrecken auf und fäßt mich Altendorf am Schlund und droht mir, den Hals umzudrehen, wo ich nicht gleich stumm wie ein Fisch würd."

51. Darauf packen mich beide, lassen Herrn Erwin im Blut liegen und schleppen mich in ein entlegen Haus, das dem Mordgesell Caspar Roß ge­hörig, halten über mich lang Rath, ich aber zittere in Todesangst; nachdem spricht Altendorf zu mir:"