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die dramatische Behandlung das Wagner'sche Prinzip angenommen und damit, im Unterschiede von Meyerbeer und Mendelssohn, die Arie ganz in Wegfall gekommen. Außer den beiden Genannten hat der Componist jedoch auch andere Vorbilder nicht verschmäht. Von einigen Beethoven'schen Motiven abgesehen, hat namentlich Gounod herhalten müssen.
Die Liebesscene zwischen dem Makkabäer Eleazar und seiner Verführerin, der syrischen Königstochter Kleopatra, ist ganz nach seinem Recept gemacht, aber eben — gemacht. Der müßte kein Mensch sein, dem bei der Gartenscene in Gounod's Faust oder, bei der Balconscene in desselben Componisten „Romeo und Julia" nicht das Blut in Wallung geriethe; hier aber bleibt man kalt, man vermißt den aus der eigensten Innerlichkeit herauswirkenden Impuls. An anderen Stellen ist es, als ob der Geist Verdi's über die Bühne schritte. Der Siegesgesang der Leah z. B., hinter welchem Manche eine von uralten Zeiten her überlieferte Synagogenmelodie vermuthen, scheint mir sehr lebhaft an gewisse Motive des Troubadour zu erinnern. Trotz alle- dem trägt das Werk im Großen und Ganzen einen einheitlichen und, wie wir gern hinzusetzen, imposanten, an manchen Stellen sogar großartigen Charakter. Die Chöre sind fast durchweg von überwältigender Wirkung. Freilich treten die Einzelfiguren gegen dieselben fast in den Hintergrund; doch sind Leah, die Mutter der Makkabäer, und Judcch, ihr ältester Sohn, zwei reich ausgestattete und auch der scharfen Jndividualisirung nicht ermangelnde Gestalten.
Die Aufführung war vortrefflich. Der stark besetzte Chor that nach besten Kräften seine Schuldigkeit, und unter den Einzeldarstellern entzückten Frl. Brandt (Leah) durch dramatische Gestaltungskraft, Frl. Grossi (Kleopatra) darch süßen Liebesgesang und vor Allen Betz (Judah) durch die vollendetste Paarung von markiger Wucht und weichem Wohlklang des Tones. Die Jn- scenirung war glänzend, der Platz vor dem Tempel in Jerusalem, von Gro- pius angefertigt, ein Meisterwerk der Decorationsmalerei. Alle diese Facloren sind in Beurtheilung des unzweifelhaften Erfolges der Oper nicht außer Rechnung zu lassen. Ob sie durch ihren eigenen Werth im Kampfe ums Dasein dauernd obsiegen wird, muß die Zukunft lehren.
Dom preußischen Landtag.
Berlin, den 2. Mai I87S. Das Gesitz über die Vermögensverwaltung der katholischen Kirchengemeinden ist in den dieswöchentlichen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses