S!>
müssen Ihre europäischen Schrullen aufgeben, lieber Freund. Ihre Bedenken gegen Sanct Paul sind grundlos. Die Leute sind ein bischen geradezu, me i° nen es aber gut. Die große Mehrzahl, das weiß ich jetzt schon, wird für sie stimmen, und man denkt nicht daran, einem Pfarrer gegenüber, der seine Schuldigkeit thut, nach Ablauf seines Contracts von seinem Kündigungsrechte Gebrauch zu machen. Es sind jetzt bewegte Zeiten, aber man darf sich dadurch nicht irre machen lassen, es kommen auch ruhige Tage, und die wollen wir beide als gute Freunde mit einander genießen."
Ich versprach mir das zu überlegen, und wir schieden „auf baldiges Wiedersehen".
>
Iriefe aus der Mserftadt.
Berlin, 21. März.
Einen Brief auf anständige Weise mit dem Wetter anzufangen, ist nicht immer leicht. Diesmal geben mir die „Grenzboten" selbst ausreichende Legitimation dazu. Ich bin kein Freund von Druckfehlerberichtigungen; aber wenn mich der Setzer meines vorigen Briefes am 28. Februar mit kühner Metapher die Ansicht aussprechen läßt, daß die Eisblumen am Fenster zu „zerrinnenden Pflanzen" werden zu wollen scheinen, so macht das freilich dem fröhlichen Frühlingsglauben dieses Jüngers der schwarzen Kunst alle Ehre, allein im Interesse der Wahrheit und Logik erlaube ich mir doch die Bemerkung, daß ich damals an „perennirende" Pflanzen gedacht habe. Und leider ist meine Befürchtung nur zu gerechtfertigt gewesen, denn heute, drei Wochen später, am officiellen Anfang des Frühlings, haucht uns die Eisblume noch immer ihren frischen Morgengruß entgegen und der Erdboden weit und breit hat zum Geburtstage unseres Kaisers nochmals ganz ernstlich das weiße Feierkleid angelegt. Das Wetter paßt zu der politischen Lage. Der parlamentarische Kampf der letzten Woche ist begleitet gewesen von den eisigen Stürmen des Himmels, und die Stimmung, in welcher die Parteien die vierzehntägige Waffenruhe antreten, mag sich der frostigen Pause im Widerstreit der Elemente vergleichen lassen. Dennoch, wie uns felsenfest gewiß ist, daß die schaffenden Kräfte des Himmels und der Erde die verneinende Gewalt des Winters endlich brechen werden, so bürgt uns der warme Pulsschlag, mit dem unseres Volkes Herzen dem Heldengreise im Königsschloß der Hohenzollern entgegenschlagen, daß dem Genius der deutschen Nation der Sieg verbleiben