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Friedrich Fischbach´s Selbstbiografie : Brief an einen Kunstgelehrten.
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das Allgemeine und Einfach-Elementare, was die Grundlage dieser an und für sich bescheidenen aber ungemein verwendbaren Ornamente bildet.

Jetzt erlangen diese Ornamente durch die große Druckerei von E. Ebner in Stuttgart eine ausgedehntere Verbreitung als es durch meinen Selbstver­lag möglich war.

Die Wichtigkeit der Publication der Ideen über die Reform der Kunst­industrie wie der Zeichnungen war mir schon von 1864 an klar, als ich be­gann, die ersten Feuilletons in der k. k. Wiener Zeitung über die Tapeten- decoration zu schreiben. Ohne dieser Thätigkeit eine sachliche Bedeutung als Schriftsteller beizumesfen, habe ich doch jährlich sowohl in den Fachblättern z. B. der Gewerbehalle, der Wochenschrift Kunst und Gewerbe und den Blät­tern für Kunstgewerbe von Teirich manchen Beitrag geliefert, mehr aber noch der Tagesliteratur Berichte über Ausstellungen und Abhandlungen für Tages« fragen geschrieben, die zum Theil noch in guter Erinnerung sind. So war ich

1867 Berichterstatter der Didascalia in Wien und lieferte außerdem der dor­tigen Deutschen Zeitung und der Rheinischen Zeitung Berichte. Das Studiurn der großen Weltausstellungen hat mich nächst den Museen wohl am meisten ge° fördert. Sie sind die Universitäten der Kunstindustrie.

Die erste Publication meiner Stoffcopien unter dem TitelStylistische Flachornamente" 1866 wurde in der Fortsetzung durch A. Morel unterbrochen, da dieser das Werk in großem Maßstabe vorlegen wollte. Es war bis 187<^ bis zur 70. Tafel meinerseits fertig, als der Tod Morel's und der deutsch' französische Krieg Alles in Stocken brachte und die Fortsetzung in Frage stellte. 1873 holte ich mir die in Unordnung gerathenen Sachen aus Paris zurück und liefere nun wohl ununterbrochen dieses Werk, an dem ich 16 Jahre gesammelt habe. Es ist zunächst auf 120 Tafeln Buntdruck in der Auflage von 1200 Exemplaren berechnet und soll möglichst billig die besten Stoffor­namente vom 8. bis 18. Jahrhundert der heutigen Kunstindustrie zugänglich machen. Zu beachten ist, daß unsere deutschen Zustände mich einstweilen noch zwingen, Sammler. Zeichner, Lithograph und Selbstverleger ineinet" Person zu sein und daß es keine beneidenswerthe finanzielle Aufgabe ist, die großen Unkosten solcher Werke allein zu tragen und schließlich noch den satz derselben zu leiten.

Ich muß jedoch zurückgreifen und nachholen, daß Zurücksetzungen vo« Seiten der Museumsdirektion in Wien und ferner der Wunsch, das unge' sunde Klima Wiens nach einer sehr schweren Krankheit meiner Frau (se^

1868 vermählt) mit einem besseren zu vertauschen, mich 1870 veranlaßt ha^ ten, eine mir in Einbeck angebotene Stelle anzunehmen. Nach vielem getst^ gen Ueberarbeiten war mir die dort durch den Krieg verursachte Muße eine Wohlthat, denn ich arbeitete den Sommer hindurch meine sachlichen Ersah'

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