Die mechanische und die ideologische Weltanschauung.*)
Von Max Heinze.
Schon in den Anfängen der griechischen Philosophie tritt uns der Gegensatz der mechanischen und teleologischen Weltanschauung entgegen in den Antipoden, Heraklit und Demokrit, die beide groß sind in ihrer Weise. Bis auf die Gegenwart haben sich diese Gegensätze gehalten. Würde der Verfasser der Philosophie des Unbewußten an Heraklit sich anlehnen, bei welchem Letzteren das' Vernünftige und Zweckoolle sich auch ohne Bewußtsein herausarbeitet, so würde die Mehrzahl der exacten Naturforscher als ihren Führer anerkennen den in seiner Consequenz gewaltigen Demokrit. Einer dieser beiden verschiedenen Grundansichten huldigen die meisten Philosophen in Betreff ihrer obersten Principien, und will man sich nicht genügen lassen an dem äußeren Gesichtspunkt des Monismus und Dualismus, so lassen sich die Weltanschauungen theilen in eine mechanische im weiteren Sinne und eine teleologische. Die erste dieser beiden kann auch bezeichnet werden als die der Mechanischen Causalität, oder als die der wirkenden Ursachen im Allgemeinen, indem wir bei den letzteren zunächst denken werden an das mechanische Wirken, oder wenigstens für alle wirkenden Ursachen eine Analogie suchen in dem Mechanismus, so daß sich die Weltanschauungen schließlich scheiden in die der wirkenden Ursachen und die der Zwecke oder Endursachen.
Die unbedingte Geltung der Causalität, so weit die Erfahrung reicht, Wird von alten und neuen Denkern in gleicher Weise zugegeben. „Nichts geschieht ohne Ursache, sondern Alles aus einem Grunde und mit Nothwendigkeit", spricht Demokrit, in seiner einfachen aber alle eigene Unsicherheit und allen Zweifel Anderer ausschließenden Weise, und ihm haben es seitdem Unzählige nachgesprochen. Eine wahre Allherrscherin ist die Causalität! Alles unterliegt ihrem Zwange, und mögen wir dieselbe nur als ein Gesetz unseres Geistes ansehen, mögen wir sie aus die transcendenten Dinge anwenden, also auch metaphysischen Gebrauch von ihr machen, wir müssen, um zu irgend
') Vortrag, gehalten beim Antritt der ordentlichen Professur der Philosophie in Basel. Grenzboten IV. 1874. 11