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Die Gazeta Narodowa und der "Verfall der Menschheit":
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sammeln, unsere Kräfte nicht zersplittern, uns nicht gegenseitig reizen, sondern in Eintracht durch Arbeit und Selbstaufopferung den Feind bekämpfen. Dies ist in der That eine große Aufgabe, deren Erfüllung der größte Dienst ist, welchen wir der Menschheit und Polen zu leisten haben.

Die andern Provinzen unseres Vaterlandes müssen fleißig ihr Augen­merk auf die Vorgänge im Posen'schen. in Ost- und Westpreußen und in Oberschlesien richten und unseren Landsleuten, welche dort den Andrang der Deutschen abzuwehren haben, so viel wie möglich hülfreiche Hand leisten.

Ausdauer, Vertrauen und Eintracht in der Abwehr! und wir werden die Deutschen dereinst zurückdrängen; ihre Fürsorge aber um uns, welche sie verwenden, wird deren Gewissen mit Vorwürfen belasten."

Unverkennbar ist es nicht Religiosität, was dem Verfasser und seinen Gesinnungsgenossen in dem Kulturkampf den Platz anweist; in der Macht­stellung der römischen Hierarchie sieht der Pole vor Allem den letzten Halt seiner nationalen Hoffnungen bedroht; so erklärt es sich denn auch, daß polnische Protestanten, wie Herr von Kureatowski vor dem katholischen Klerus in die Kniee sinken und den Nacken beugen!

Briefe aus der Kaiserstadt.

Berlin, 6. Juli.

Nun ist auch der letzte maßgebende Faetor unseres politischen Lebens, der Bundesrath, in alle Winde zerstreut und die Zeit der sauern Gurken ist mit ihrem ganzen Jammer über uns hereingebrochen.Mit ihrem gan­zen Jammer"; freilich nur über jene Beklagenswerthen, die dem aufregungs- und amusementsbedürftigen Publikum in den öffentlichen Blättern Tag für Tag etwas Neues bieten sollen. Was Wunder, daß unter solchen Um­ständen das Geschlecht der politischen Enten gar trefflich gedeiht? Die Frie­densschalmet, welche angesichts der Fuldaer Bischofsconferenz so vielfach an­gestimmt oder wenigstens probirt wurde, ist deß Zeugniß. Welch ein herr­licher Zustand wäre es doch, wenn unsere Zeitungen, wenigstens die großen, in der dürren Sommerzeit, gleichzeitig einen oder zwei Monate Ferien machten und nur das Allernothwendigste, etwa dietelegraphischen Depeschen" und die wichtigsten Localnachrichten, auf den Markt brächten! Aber es verlohnt nicht der Mühe, diesen Gedanken weiter zu erörtern: nicht an der lieben