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gab vielleicht die Möglichkeit, die ganze feindliche Front der Länge nach aufzurollen und dem französischen Heere in Gemeinschaft mit der Besatzung von Pavia den Rückzug nach Mailand abzuschneiden. — Durch die Wegnahme von Mirabella umging man die starke Fröntal-Stellung, turnirte den linken Flügel des Feindes, oder zwang ihn doch, unter den Angriffen des kaiserlichen Heeres zu manövriren. Dies durfte sich zugleich der Hülfe der Garnison von Pavia vergewissert halten; denn offenbar mußte der König, um einem Angriff in seiner linken Flanke zu begegnen, die Aufstellung gegen die Stadt aufs Aeußerste schwächen. In und um Mirabella lag die Vorhut des französischen Heeres unter des Königs Schwager, dem Herzoge von Alencon. Man wußte, daß der leichtlebige Herr nicht eben auf strengen Dienst hielt und daß überhaupt das bunte Treiben, welches auf jenem Flügel herrschte, eine Ueber- rumpelung begünstigte; denn auch der Markt des Lagers wurde hier gehalten, und was von Legaten und Diplomaten. Pfennigmeistern, Kaufleuten. Krämern und Marketendern im Lager war, wohnte hier. Pescara rechnete unter diesen Umständen darauf, unbemerkt in den Park zu dringen und Mirabella im ersten Anlauf wegzunehmen. — Alle diese Erwägungen sind begründet und motiviren den Entschluß Pescara's sehr wohl. Er selbst wußte im Krtegs- rathe, unterstützt von Frundsberg. seine Ideen mit feuriger Beredsamkeit geltend zu machen, sodaß Bourbon und Lannoy darauf eingingen und dem Marchese die Leitung des Unternehmens übertrugen. — Für dessen Gelingen war es vor allen Dingen nöthig, daß die Garnison von dem Vorhaben benachrichtigt wurde, und in der That gelang es einem kühnen Reiterhauptmann, Arnio, in die Stadt zu kommen und das EinVerständniß herbeizuführen. Bald verkündete ein verabredetes Zeichen mit der Fackel auf dem Thurme den kaiserlichen Feldherren, daß Alles in Ordnung sei*). — Ferner war es nothwendig, den Park so rasch als möglich und ohne Aufsehen zu besetzen. Der mindeste Argwohn würde die Franzosen an die Mauer gerufen haben, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie diese alsdann auch mit Ausdauer und Muth vertheidigt haben würden. Pescara gab daher einem gewandten und zuverlässigen Spanier, Salseda, dem Anführer der Guastcidores (Schanzknechte), den Befehl, sich um Mitternacht zwischen dem 23. und 24. Februar an die unbewachten Stellen der Mauer zu schleichen und diese durch ein möglichst wenig Geräusch verursachendes Verfahren umzustürzen und einen breiten Zugang zum Park zu verschaffen. Es wurden deshalb keine Geschütze zur Breschelegung angewendet, sondern Sturmbalken und Kriegswidder, wie sie vor Einführung der Feuerwaffen allgemein jenem Zwecke gedient.**)
-) Sandoval und Neißncr.
") Jovius. Ncißner und Sandoval. ?e«Iio: vers, Narraiiauo ggi AgsMio üi?aviir, I>-rvia 16b5 spricht mit Bestimmtheit von drei Breschen; doch ist die Sache nicht wesentlich.