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Brüder neben sich, sondern sie wenden fort und fort alle Kräfte und Mittel an, um alles, was polnisch spricht, mit in den Strudel zu reißen. So begrüßt ein polnisches Blatt mit großer Genugthuung die Aussicht, daß die Familie Radziwill nach Verkauf ihres Palais in Berlin „für immer unter ihren Stammgenossen auf der Erde ihrer Vorfahren wohnen" und also mit ihnen — zu Grunde gehen werde. Namentlich kommt dabei die eifrige Propaganda für Alt- und Großpolm unter den oberschlesischen Bauern und Arbeitern in Betracht. Doch sind solche Bemühungen glücklicher Weise ziemlich erfolglos.
Edwart Kattner.
IranMche Mythenbildung.
Der „Francais", ein Pariser Blatt, dem offiziöse Beziehungen zugeschrieben werden, hat neuerdings wiederholt die Dreistigkeit gehabt, sich bei Darstellung der Ereignisse und Ursachen, welche zum jüngsten deutschfranzösischen Krieg führten und an dessen Ausbruch er natürlich Preußen und Deutschland die alleinige Schuld beimißt, auf die bekannte Schrift Benedetti's „Ug. Mission en ?ruLse" mit jener Zuversicht sich zu beziehen, mit der unbestreitbare historische Aktenstücke und Quellenwerke citirt werden. Die Norddeutsche Allg. Zeitung hat dieses Verfahren, welches darin gipfelt, auch im Jahr 1874 noch die Behauptung zu wagen, daß der berufene Vertragsentwurf Benedetti's, der die Annexion Belgiens vorschlug, und der mit den eigenen Schriftzügen des französischen Botschafters und mit den eigenhändigen Randbemerkungen des Kaisers Napoleon in deutschem Gewahrsam sich befindet, „sous In äietöö 6<z Nonsieur üe Lismarli" entstanden sei, sehr milde einen „Anachronismus" genannt. Der „Francais" hat sich durch diese hu- mane Charakterisirung eines Verhaltens, das in Deutschland unter Deutschen, Lüge und Fälschung genannt wird, ermuthigt gefühlt, darin zu beharren und dafür in den letzten Tag Seiten des Organes des deutschen Kanzlers die zeitgemäße Erinnerung geerntet, daß Herr Benedetti seine „Enthüllungen" lediglich aus dem Grunde im besten Zuge plötzlich gestoppt habe, weil der deutsche Reichsanzeiger ihm bereits 1871 klar gesagt, die Papiere des Herrn Rouher seien durch den Krieg in deutsche Hände gefallen. Wir wissen nicht, ob diese Andeutung, die s. Z. Herrn Benedetti's schriftstellerischen Bemühungen in der Fälschung der modernen Zeitgeschichte ein Ziel setzten, für die Leiter des Franeais ausreichend sein wird. Nach den bisherigen Leistungen dieses Blattes - einem der relativ anständigsten der französischen Tagespresse — ist diese Enthaltsamkeit kaum zu erwarten. Um so mehr aber entsteht für die deutsche Presse die Verpflichtung an den der ganzen civilisirten
Grenzboten II. 1874. 65