Beitrag 
Vom preußischen Landtag.
Seite
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KW

breche, werde nur das Werk der deutschen Staatsleitung sein. Wir wieder­holen, daß wir eine so verderbliche, die offenen Thatsachen ins Gesicht schla­gende Ungerechtigkeit gegen die einheimische Staatsleitung nicht dem Charakter des Verstorbenen zur Last legen wollen. Aber beklagen müssen wir an dem Grabe eines geistig begabten Mannes den Zustand der sittlichen Bildung, der solche Verirrungen zuläßt, der solche Verirrte nicht dem Arzte, dem Richter oder dem öffentlichen Abscheu überliefert. Die Schwäche des sittlichen Urtheils zieht solche Verirrungen groß und schafft für den Verirrten einen Grad der Entschuldigung, daß man ihn als achtungswerthen Gegner behandelt, oder gar ihm, woran diesmal nicht viel gefehlt hätte, ein Denkmal der Achtung von Seiten aller Parteien setzt. Wir betrachten den Verstorbenen als das Opfer einer verderblichen Doktrin. Die Doktrin, welche unseres Wissens von einem protestantischen Mitgliede des klerikalen Centrums so formulirt wurde: die Partei steht über dem Vaterlande. Die Consequenz dieses Satzes ist, daß man das Vaterland verderben darf, ja verderben muß, wenn die Partei, der man dient, darin nicht herrscht. Das ist die Verneinung aller höheren Sitt­lichkeit. Das Vaterland, das heißt nicht bloß Haus und Boden, sondern der Geist der heimathlichen Geschichte ist Gottes lebendiges Werk, in dem Gott fortwirkend waltet. Alle Doktrinen, auf welchen die Parteien beruhen, sind in weit höherem Grade das Werk der subjectiven Meinung. Die subjective Meinung über die lebendigen Schöpfungen der Geschichte zu stellen bis zu dem Grade, um diese Werke nicht bloß reformirend zu beeinflussen, sondern, wenn sie sich dem subjectiven Einfluß nicht zugänglich zeigen, dieselben zu verderben, ist der Gipfel aller Unsittlichkeit. Beeilen wir uns. es thut wahr­lich Noth, daß diese Wahrheit die allgemeine Ueberzeugung des deutschen Volkes werde. Ein Mann wie Mallinckrodt, und Solche, oie seine Denkungs- art theilen, mag der Meinung gewesen sein, daß die römische Kirche weit un­mittelbarer Gottes Werk sei, als irgend ein Vaterland, ja, daß diese Kirche des Gläubigen einziges wahres Vaterland sei. Wohl, wir achten diese Ueber­zeugung. Wir fordern aber, daß der Diener dieser Ueberzeugung äußerlich wie innerlich nur diesem einen Vaterland angehöre, das er bekennt, und nicht mit einem zweiten Vaterland ein heuchlerisches Spiel treibe, indem er sich in dasselbe drängt, um es zu untergraben. Man kann nur Ein Vaterland haben. Entweder die konkrete Staatsindividualität, der auch der religiöse Glaube nicht verschmäht zu dienen, indem er ihre Wurzel unablässig vervollkommnet, indem er sie stets gewissenhaft schont, oder den päpstlichen Universalstaat, der alle Wurzeln selbstständigen Lebens ausrottet, damit sein Baum allein wachse und die Welt überschatte. 0r.

<M Strafzöurger Wahlpamphlet.

Vor einigen Monaten lernte der Schreiber dieser Zeilen im Waggon einen in Straßburg ansässigen Deutschen kennen. Das Gespräch drehte sich um die politische Gährung im Elsaß, vornehmlich um die bevorstehenden oder eben vollzogenen Reichstagswahlen. In Erinnerung daran schickc uns der Reisegenosse jetzt ein kleines, damals erschienenes Wahlpamphlet, das. originell nach Form und Inhalt, wohl geeignet war, maßgebend einzuwirken. Heute hat dasselbe allerdings sein momentanes Interesse verloren, aber die deutsche Stimme aus dem Elsaß, die Stimme eines besonnenen, mit dem elsässischen Volke genau bekannten Mannes dürfte unsern Lesern doch noch immer will­kommen sein. Und um so lieber theilen wir einen Auszug aus diesem im