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Briefe aus der Kaiserstadt.
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Malers eigenes Zartgefühl füglich ersparen können. — Ein eigenthümliches Zusammentreffen ist es. daß wir drei oder vier Abbildungen von Mohren be­gegnen. Welch seltsamer Geschmack die Schöpfer derartiger Gebilde leiten mutz sieht man an Trübner's „lesendem Mohren". Hier ist aus dem allge­meinen schwarzen Chaos nur das Zeitungsblatt, aus welchem der Sohn Afrikas feine Bildung schöpft, mit Sicherheit erkennbar. Eine frische, an- muthiqe Erscheinung ist Kay's „Bückeburgisches Bauermädchen". Das „Flo- rentinische Blumenmädchen" von O. Begas wirkt durch wundervollen Far-- benglanz, trägt aber im Gesicht eine gar zu gewöhnliche Sinnlichkeit zur Schau. Plockhorst hat zwei weibliche Köpfe ausgestellt, darunter einen von idealer Schönheit. Auch ein weiblicher Kopf von Horace v. Ruith ist recht wirksam. Besonderen Reichthum entfaltet die Ausstellung gegenwärtig an guten Portraits. — Von Brendel sind ein paar genreartige Viehstücke er- wähnenswerth, besonders die Scene, in welcher der Hirt des Morgens die Schafe aus dem Stalle läßt. Wer jemals dies Drängen ins Freie in naturs, beobachtet hat, wird sich der Ergötzlichkeit dieses Bildes nicht verschließen können. Eine große Aquarelle von Oehme gibt ein höchst lebendiges Bild von einer Bärenjagd. Was an Geschmacklosigkeit geleistet werden kann, zeigt die Darstellung eines regelrechten Wettrennens in Hoppegarten. — Unter den Landschaften zeichnet sich Triebe! aus, der mit einem Motiv aus dem Dessauer Forstrevier und mit einer Berglandschaft, in deren Hintergrund sich der mächtige Kegel des Brocken erhebt, vertreten ist. Eine vortreffliche Herbst­waldlandschaft hat Hallatz geliefert, ein vorzüglicher „Föhrenwald im Winter" ist von Gertner ausgestellt.' Beachtenswert!) "durch Frische der Farben und Vortrefflichkeit der Perspektive ist auch eine Waldlandschaft von Marie v. Baczko. Douzette läßt sich auch diesmal wieder in seiner Specialität eigen­thümlich ergreifender Mondlandschaften bewundern.

Kleine Besprechungen.*)

Je mehr die fortschreitende Verästelung der archäologischen Wissenschaft selbst dem Fachmanne die Möglichkeit nimmt, sich in allen ihren Disciplinen nur einigermaßen auf dem Laufenden zu erhalten. je dringender das Bedürf­niß wird, daß der Archäolog von Fach neugewonnene Ergebnisse der wissen­schaftlichen Forschung dann und wann auch dem gebildeten Laien in verständ­licher und genießbarer Form vorlege, und je seltener dieser löbliche Brauch seit Otto Jahn's Hinscheiden geworden ist — namentlich der jüngere Nach­wuchs der Archäologen scheint wenig Lust zu haben, dem Beispiele des Meisters zu folgen — mit um so größerer Freude muß man eine Schrift wie die unten genannte willkommen heißen. Hat doch Ernst Curtius schon längst neben Otto Iahn und Jacob Grimm denjenigen Zweig unserer populärwissenschaft­lichen Literatur, der in der Form des Vortrags oder des Essays auftritt, durch die reifsten, gediegensten und schönsten Gaben bereichert. Wer kennt nicht seine „Göttinger Festreden" und sein Schristchen über Olympia?

Durchaus ein Seitenstück zu dem letztgenannten. sowohl was den Stoff als was die Form und die äußere Ausstattung betrifft, ist der vor kurzem erschienene Vortrag über Ephesos. Auch wer die Geschichte von Ephesos erzählen will, hat es in erster Linie mit der Geschichte eines Heiligthums zu thun; an die Gründung des Tempels erst schließt die Entstehung der Stadt

") Ephesos. Ein Vvrtrag, gehalten im Wissenschaftlichen Verein zu Berlin von Ernst Curtius. Berlin, Herz (Besser'sche Buchhandlung) 1874.