Contribution 
Neues aus Goethe´s handschriftlichem Nachlaß
Page
274
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Z74

ficherung entgegengenommen, daß bei der Redactionsarbeit nichts gestrichen worden ist.,

Denn uns schwebt ja bei Goethe'schen Publicationen stets die Concurrenz der Enkel Goethe's vor, die z. B, im Carl August Briefwechsel vielleicht auch das Ihre dazu redlich beigetragen, daß ohne Noth die Briefe unleidlich verkürzt zur Veröffentlichung gelangt find. Dieser Nachweis wird nöthig sein, wenn man nicht mit einem gewissen Mißtrauen gegen die Vollständigkeit an die künftigen Publikationen herantreten soll. Im Uebrigen verdienen der Heraus­geber und die Verlagshandlung insbesondere für die schöne Ausstattung dieser beachtenswerthen Gabe den besten Dank.

C. A. H. Burkhardt.

Ariese aus der Kaiserstadt.

Berlin, 10. Mai.

Nicht zum ersten Male seit den großen Ereignissen der Jahre 70 und 71 sahen wir den treuen Freund von der Newa in unsern Mauern. Aber je weiter wir uns von den glänzenden Siegestagen entfernen, je drohender im Westen die racheschwangere Wetterwolke heraufzieht, um so deutlicher empfinden wir den hohen Werth der dauernd herzlichen Beziehungen zu unserm östlichen Nachbar, um so wärmer begrüßen wir den Herrn Alexander als unseres Kaisers Gast. Der Beginn der vergangenen Woche hat davon Zeugniß gegeben. In dichten Schaaren drängte sich das Volk, wo immer die beiden Monarchen sich sehen ließen. Am erhebendsten aber war der Moment, als sie am Fuße des imposanten Siegcsdenkmals auf dem Königs- platze die Parade abnahmen. Ist doch das Denkmal das Abbild der preußisch­deutschen Geschichte des letzten Jahrzehnts und als solches am besten ge­eignet, Nußlands Verhalten gegen uns ins Gedächtniß zu rufen! Schade nur, daß das Monument noch eines Hauptschmuckes, des von Anton v. Werner gemalten Frieses, entbehrt. Möge ein gutes Geschick es fügen, daß dereinst im Angesichts des ganz vollendeten Kunstwerkes der mächtige Herrscher des Ostens mit seinem kaiserlichen Oheim noch ebenso freundschaftlichen Hände­druck wechselt, wie er es jüngst gethan.

Den Werner'schen Fries, von dem wir soeben gesprochen, hat das Ber­liner Publikum vor Kurzem, ehe er zum Zwecke der Nachbildung in Glas­mosaik nach Venedig abging, noch in aller Muße beschauen können. Das Bild, ausschließlich zur Verherrlichung des letzten Krieges bestimmt, während die Sockelreliefs auch von den Feldzügen der Jahre 64 und 66 erzählen, zer-