Aus Aeethoven's späterem Leben.
Entstehung und Art der großen Messe. Von
Ludwig Nohl.
„Philosophie des Lebens, das besitzen Sie und das ist genug;" — „Wenn Sie verzagen, wer sollte dann Muth haben; alle Welt würde sich bemühen Ihr Leben Ihnen angenehm zu machen;" — „Sie sind in Bremen vergöttert;" — „Im Conversationslexikon steht geschrieben, daß Sie ein Seitenkind des großen Friedrich seien; solche Irrthümer müssen dennoch berichtigt werden, Sie brauchen nichts von Friedrich zu borgen;" — „Blumenkränze und Orpheus Leyer werden einstens an Ihrem Grabe hängen — Sie
aber--in dem Buche der Unsterblichkeit;" und endlich: „Der Mann an
der Thür spricht soviel Schönes von Ihnen, er erkennt ganz ihren Werth als Künstler und als Mensch, er macht seinen Nachbarn begreiflich, daß Sie der größte Mann in Europa sind, er hat Recht;" — solchen Aeußerungen vom „viel zusammenschwatzenden" Hofrath Peters und Andern in den Berliner Conversationsheften Beethoven's von 1819/20 entsprechen auch die stets wachsenden Anzeichen des Ruhmes von außen. Aus Neugierde begehre man die kurz vorher erschienene Sonate Op. 106 auch in Mcchland, obwohl dort kein Mensch lebe, der so etwas spielen könne, heißt es. Doch war dorthin bereits damals Beethoven's verehrte „Dorethea-Cäcilia," Frau von Ertmcmn, der das schöne Op. 101 gewidmet ist, übergesiedelt. „Die Engländer sprechen von nichts, als daß Sie nur nach England kommen," solche Conversation stimmt zu Beethoven's Erzählung damals, daß Engländer bei ihm waren: „Lachend sagte er: sie haben mir meine Feder weggenommen." Den IS. März 1819 zeigt sich auch die Laibacher Philharmonische Gesellschaft „allgemein von dem Wunsche durchdrungen, die Zahl ihrer Ehrenmitglieder durch ihn geziert zu wissen," welche „Anerkennung seiner geringen Verdienste in der Tonkunst" er am 4. Mai mit geziemender Würde und Dienstbereitwilligkeit aufnimmt.
Am 1. October 1819 aber wird er in Wien, wo er „Bürger" schon seit 1815 Grenzbotm II. 1874. 26