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Proben gleichzeitiger Volkslieder über die Sempacher
Schlacht.
In neuhochdeutscher Uebertragung mitgetheilt von
H. Schmolke.
Wenn auch der Volksmund in deutschen Gauen niemals geschwiegen, von den Zeiten des Tacitus an, wo die Germanen in der Nacht bei den langen Brücken und bei Veteru, eastra an den Lagerfeuern ihre wilden Schlachtgesänge ertönen ließen, bis in das klang- und sangreiche Jahrhundert der Hohenstaufen*), so beginnt die Blüthe des historischen Volksgesanges doch erst mit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts; wenigstens fließt erst seit dieser Zeit der Born der Ueberlieferung für uns reichlicher. Im 13. Jahrhundert übertönt der vornehmere Klang höfischer Kunstpoesie die einfachen, obwohl nicht kunstlosen Lieder der Fahrenden, der eigentlichen Organe des Volkes, und was wir aus dieser Zeit an politischen Liedern besitzen, gehört nachweislich ritterlichen Sängern an- Wir erinnern nur an Walther von der Vogelweide und Reinmar von Zweier, die bedeutendsten Vertreter dieser Gattung und rüstige Parteigänger des Reichs im Kampfe gegen das Papstthum. — Seitdem aber der Klang der Harfen auf den Burgen und an den Höfen verstummt war, kamen die weniger formgewandten, aber gehaltreicheren Weisen des Volks mehr zur Geltung, wie denn überhaupt in der weiteren Entwickelung der Kultur von nun an der Bürger- und Bauernstand an die Stelle des entarteten Ritterthums traten.
Am meisten vorgeschritten war die Entwickelung des Volksbewußtseins damals unstreitig in der Schweiz. — Das Zähringische Bern im Uechtlande, seit 1218 freie Reichsstadt, war im Kampfe mit dem benachbarten Adel im Aargau und in Hochburgund sowie mit dem gleichfalls Zähringischen Freiburg, das aber zur Partei des Adels hielt, schnell zu innerer freiheitlicher Entwickelung und Respect gebietender Machtstellung gelangt. Seit Friedrich II. im Lager zu Faenza (1240) den drei Waldstätten Schwyz. Uri und Unterwalden gleiche Stellung mit den Reichsstädten und namhafte Privilegien ertheilt, hatten sich diese durch wiederholte Erneuerung ihrer seit den ältesten Zeiten bestehenden Eidgenossenschaft kräftig gegen die Uebergriffe der Habsburger, welche die kaiserliche Schirmvogtei verwalteten, zu wahren und schließlich im geeigneten Augenblicke sich von Habsburg unabhängig zu machen gewußt. Der Reiz der neuen Freiheit, die die Eidgenossen siegreich gegen Leopold II.
") abgesehen vom Ludwigsliede, das schon ins 9. Jahrhundert fällt, lassen sich auch für das 10. und 11. historische Volkslieder nachweisen <Wackernagel Lit. Gesch. S. 75 und 142).