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bei einem Stoß, wenn er im Südwesten erfolgt, nicht fertig, doch vorbereitet für eine Manifestation, einen Ruf, „Hie Waiblingen!" aufzutreten? Preußen scheint zuviel im Innern zu thun zu haben, und seine specifisch preußische Genugthuung über die ihm octroyirte Wandlung zum Besseren scheint es vergessen zu machen, daß es nach den schmählichen 10 Jahren andrer Gewähr, als zahmer Ministerreden, bedarf, um uns an seine deutsche Pflichterfüllung glauben zu lassen. Wir wissen —und darin stimmen die Preußen mit uns überein, — daß wir ohne Preußen nichts können, aber den anderen Glaubenssatz, daß auch Preußen ohne uns für Deutschland zu schwach ist, scheinen die Herren, nicht zu caviren. Nun glaube ich zwar an keine nahe, unmittelbare Gefahr, denn die Chancen liegen dem Aventurier keineswegs so günstig, wie manche, fürchten, aber bei der Unterwühlung in Italien und der Kriegslust Oesterreichs kann der Teufel losgehen, ehe man sich's versieht, durch irgend welches uutovg.rü event.
Napoleon ist zu kaltblütig, und die inneren Zustände sind, soviel man sehen kann, noch nicht so desperater Art, daß er ohne Bürgschaft einiges Erfolges losbrechen sollte. Im italienischen Oesterreich sind ihm die Oesterreicher gewachsen, und es hieße, den Stier bei den Hörnern angreifen wollen, auf Mailand zu marschiren, wenn er nicht gleichzeitig des Oberrheins und der Oberdonau sicher ist; allerdings kann er diese Position überrumpeln, allein dafür müssen wir über ihn herfallen — ich sage: müssen, denn ohne solches Muß wirds zu keinem Entschluß kommen, wenn Preußen sich nicht zur Initiative ermannt — und dazu fehlen die Leute.
Wenn dem so ist, frage ich: Was ist von den Reichstagsmännern geschehen? Wissen Sie, wo Ihre Leute sind? wie sie jetzt denken? Ich habe an der Kriegs-Chance nichts auszusetzen, als daß sie zu früh und zu plötzlich kommt, denn daß wir ohne Prügel und Schwerenoth einen Schritt nach dem deutschen Reich weiter kommen, daran glaube ich nicht. Was den Schutz und Trutz anlangt, so muß vor Allem die Zauberformel gefunden werden, auf welche sich ein bedingter Bund mit Oesterreich machen läßt; denn, je- mehr ich die italienischen Zustände und die neu-mettemichsche Politik betrachte, um destomehr schrecke ich vor einem unbedingten Bündniß zurück. Also ein conditionales Bündniß zwischen Oesterreich und dem nicht-österreichischen Deutschland!
Aber davon verlautet nichts, ja nicht einmal von einer Vorfrage Preußens bei den Etnzelregierungen. Wenn die Regierungen ihre Pflicht versäumen, so meine ich, wir sollten thun, was an uns ist; also abermals: was haben Sie gehört oder gethan?"
Ich konnte nicht anders, als vollkommen zustimmend auf diesen Brief