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Das russische Reich in seiner finanziellen und ökonomischen Entwicklung seit dem Krimkriege.
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die Thatsache in den Vordergrund, daß Rußland seiner eigenen Hülfsquellen sich zu bedienen lernt und selbst in Bezug auf Luxusartikel sich von der Herrschaft des Westens zu emancipiren sucht. Wenn es auf diesem Wege fortschreitet, so wird die Entwicklung seines Handels eine geradezu beispiels­lose werden. Einstweilen trägt der russische Binnenhandel noch den nomaden­haften Charakter, den er vom Mittelalter überkommen hat; die Händler, Agenten, selbst die Bazars sind in beständiger Bewegung von Platz zu Platz, auf den 6780 Jahrmärkten des Reichs. Das Handelspersonal umfaßt etwa 600,474 Personen (darunter 3476 Kaufleute erster, 66,782 zweiter Gilde, etwa 188,318 Kleinhändler, 180,584 Handlungsdiener u. f. w.). Sehr trägt zur Vertheuerung der Waaren der Umstand bei, daß sie eine lange Kette von Händlern durchlaufen müssen, ehe sie zu dem eigentlichen Detaillisten und zum Consumenten gelangen, ein Zopf, der wohl bald weichen müssen wird, sobald der Wohlstand allgemeiner geworden ist.

Der ausländische Handel Rußlands hat in den Jahren 186968 um 62 Prozent sich vermehrt. Wenn auch die Stimme Rußlands für jetzt keine dominirende auf dem Weltmarkt ist, so muß es doch über kurz oder lang einen großen Theil des europäisch-ostasiatischen Weltverkehrs an sich ziehen. Sehr wichtig ist auch bereits der ce ntral asiatische Handelsverkehr Rußlands geworden, der auf einem Gebiete, wo vor kurzem gar keine regelmäßige Verbindung möglich war, einen Umsatz von über 20 Mill. Rubeln erzielt hat. Beispielsweise werden allein über Turkestan 17,681.400 Pfund Thee eingeführt, während der Import über Kiachta nur ca. 11 Mill. Pfund jährlich beträgt. Von der aus Asien eingeführten Baumwolle kamen 66 Prozent von Buchara, 18 Prozent von Persien, 11 Prozent von Chiwa, 4,5 Prozent von Taschkent. Der Gesammtumsatz im auswärtigen russischen Handel beläuft sich auf gegen 300 Mill. Rubel Werth.

Wir schließen hiermit die werthvollen Daten des Verfassers, indem wir uns seinen Hoffnungen auf den weiteren Fortgang der Kulturentwickelung des russischen Reichs gern anschließen: denn seine Sache ist die der wahren Civilisation; und es wird Mit ihrer Ausbreitung am ehesten einer Wieder­holung der Raubzüge der Mongolen nach Europa vorgebeugt werden.

G. Tybusch.