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Mes durch denselben in der Herbstsession abwarten. Sie könnte aber auch den Reichstag jetzt auflösen. Welchen Entschluß sie fassen wird, läßt sich noch nicht voraussehen. Die Hoffnung, daß die Majorität des Reichstages den richtigen Entschluß ihrerseits finden wird, ist noch nicht verschwunden, aber gering geworden. L—r.
Iriefe aus der Kaiserftadt.
Berlin. 22. März 1874.
So reich, wie heute, hat sich die Hauptstadt wohl noch nie zur Feier des kaiserlichen Geburtstags geschmückt. Auch in den öffentlichen Blättern ist der Heldengreis niemals einmüthiger und freudiger beglückwünscht worden, als heute. Warum es so ist, weiß jedes Kind, so weit die deutsche Zunge klingt. Möge denn ein gütig Geschick dem Siebundsiebzigjährigen herrlich erfüllen, was heute im ganzen deutschen Volk, vom Palast bis zur Hütte, für ihn erfleht wird! Ein Leben voll pflichttreuer Arbeit ist es, auf welches Kaiser Wilhelm zurückblickt. Und heute weniger, als je. glaubt er die Zeit beschaulicher Ruhe für sich gekommen. Möge denn der aufkeimende Frühling des Winters herbe Unbilden verscheuchend, dem Gefeierten des Leibes volle Kraft zurückgeben, möge das neue Lebensjahr ihm fort und fort den tapfern Muth erhalten, der ihn bisher auch vor dem Schwersten nicht erzittern ließ!
Welch außerordentliche Anforderungen "Hie Weiterbildung unserer politischen und socialen Organisation an die Einsicht und die Thatkraft der leitenden Männer, wie an die Vaterlandsliebe und den Bürgermuth der ganzen Nation noch stellt, ist ja allgemein bekannt. Kein Tag vergeht, ohne daß wir an die Hinvernisse und Gefahren recht vernehmlich erinnert würden. Heute im Parlamente, morgen in ihren zahlreichen Vereinen und Volksversammlungen versichern uns die staats- und gesellschaftsfeindlichen Elemente, daß die Zukunft ihnen gehöre. In der verflossenen Woche haben namentlich die Socialdemokraten die Gelegenheit wahrgenommen, indem sie mit Pauken und Trompeten die Feier des 18. März begingen, oder wenigstens begehen zu wollen ankündigten. In verschiedenen Städten ist die Feier untersagt worden, hier in Berlin ließ man sie — was sicherlich das Nichtigere war — richtig gewähren. An oppositionelle Demonstrationen am 18. März ist man hier ja gewöhnt. Freilich, bisher pflegten sich dieselben auf eine Bekränzung der Gräber der im Friedrichshain ruhenden Märzgefallenen zu beschränken; die diesmalige socialistische Feier aber galt gar nicht dem Berliner Aufstande von 1848. der laut Hasenclever, nur das letzte blutige Zucken des