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Andre Zeiten andre Ränke.
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Undre Zeiten andre Uänlie.

Luxemburg. Ende Februar 1874.

Es fällt bei uns keinem vernünftigen Menschen ein zu glauben, unsere Jesuiten und Fransquillons wollen sich je zum Bessern bekehren, und Recht und Wahrheit für Recht und Wahrheit gelten lassen, so sehr sie sich auch Mühe geben, dieses an geeigneter Stelle von sich glauben zu machen. Wer die Ehrenmänner kennt, der weiß, daß sie eben da am gefährlichsten sind, wo sie am harmlosesten und unschuldigsten scheinen möchten. Bessere Mienen und Maskenträger gibt's auf der weiten Erde nicht, als diese Leute. Ist eine Maske verbraucht und abgetragen, flugs greifen sie nach einer andern, und ehe sich's der gemeine Mann versieht, stehen ganz andere Gestalten vor seinen Augen auf der politischen Bühne da, und immer in den Masken, welche, wie sie wissen, den Gimpeln im Zuschauerraume am besten zusagen für den Augenblick. Heute lassen sie sich, weil das eben in ihren Kram paßt, vom gemeinen HaufenPreuß" nennen, während sie unter der Hand für die grim­migsten Feinde Deutschlands Ränke schmieden; morgen dagegen schwören sie in den öffentlichen Blättern Stein und Bein, sogar auf ihrEhrenwort", sie wollen nichts mit demPreuß" gemein haben, undnach Berlin" könne sie keine Gewalt im Himmel und auf Erden zwingen. Einmal nämlich handelt es sich darum, Deutschland Sand in die Augen streuen, ein andermal wollen sie das Stimmvieh im eigenen Lande hinters Licht führen. Immer unter der passenden Maske. Doch Gottlob! Die Zeiten, wo diese politischen Kissurs in unserm armen, vielbetrogenen Lande Regen und Sonnenschein machten, sind vorbei. Bei Sadowa und bei Sedan haben auch sie die wohl­verdiente Schlappe erhalten. Seitdem sind sie ganz aus dem Concept gekom­men. Sie haben sogar in ihrem jähen Schrecken die Masken fallen lassen, und ehe sie sich wieder besonnen, dieselben aufgehoben und wieder vorgebunden hatten, war ihr wahres Gesicht dem Zuschauer blosgestellt!

Doch sofort griffen die schlauen Gestalten zu andern Masken. Nun woll­ten sie um keinen Preis mehrPreußen" undVaterlandsverräther" sein wie gestern. Es lebe die Neutralität! Hoch unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit! hieß es nun. Sie wußten, daß auch derPreuß" ihnen hinter die Maske gesehen hatte, und sie nun auf den Fingern kannte. Zu welchem Heiligen sich also wenden? Ihr bester Trost, ihr sicherster Hort von ehemals, Frankreich, lag elendiglich darnieder und konnte sich selbst nicht helfen, geschweige denn seinen guten, lieben Freunden im Auslande. Auch Belgien, mit dessen faulen und ansteckenden Elementen sie von jeher so viel geliebäugelt hatten, stand da an Händen und Füßen gebunden. Ihre einzige