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Lamarmora´s Buch. I.
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Lamarmora's Auch.

i.

Lamarmora's Nechtfertigungsschrift macht neuerdings wieder so viel von sich reden, daß es schon deshalb gestattet sein mag, noch einmal auf sie zu­rückzukommen. Wir glauben allerdings, daß auch ohne dies Grund dazu vor­handen wäre. Die deutsche Presse hat zwar gleich nach dem Erscheinen des Buches mancherlei Auszüge daraus gebracht und hat von dem feindlichen Geiste, den die Schrift gegen unsren leitenden Staatsmann athmet, ausführlich geredet; aber im Allgemeinen hat sie sich doch mehr in aphoristischen Vev- dammungsurtheilen bewegt, als sich zu einer sorgfältig prüfenden Würdigung die Zeit genommen. Gleichwohl berühren uns die Verhandlungen, die La- marmora in seiner Weise darstellt, zu nahe, als daß sie nicht unsrem Publicum in wahrheitsgetreuer Beleuchtung vorgeführt zu werden verdienten. Man könnte freilich einwenden, daß Hornberger in feinen vortrefflichen Aufsätzen über die preußisch-italienische Allianz dies schon vor Lamarmora gethan habe, und daß auch der letzte Band von Reuchlin's Geschichte Italiens dieses wich­tige Ereigniß nach den besten vorhandenen Quellen unparteiisch schildere; allein dem gegenüber muß doch zugestanden werden, daß der italienische Ministerpräsident mancherlei neues Material mitgetheilt hat, und daß es, auch abgesehen davon, nur angemessen erscheint, seinen Auslegungen und Deutungen jene Beachtung zu schenken, die man einem Manne von seiner Stellung, un­geachtet alles vorgefaßten Mißtrauens, nicht wohl verweigern darf. Wenn sich dabei dann herausstellen sollte, daß zu diesem Mißtrauen in der That die triftigsten Gründe vorliegen, so daß die Glaubwürdigkeit Lamarmora's fast gleich Null zu setzen ist, so wird das vielleicht unsere ultramontanen Heiß­sporne als privilegirte Kämpen für Wahrheit und Recht bewegen, sich nach einem andern Arsenal umzusehen, aus dem sie Waffen gegen den verhaßten Staatskanzler entlehnen können.

Der erste Eindruck, den man von Lamarmora durch das Studium seines Buches gewinnt, ist der eines Mannes von ziemlich beschränktem Gesichtskreise und unbeschränkter Eigenliebe. Die Unbefangenheit, mit welcher er seine

Grenzboten I. 1874. 4(Z