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Pariser Briefe.
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formen einander gegenüberstehen: die Republik und das Kaiserreich. Die zwischen beiden liegenden Regierungsformen werden es niemals wagen, sich gegen das Verdict des Landes aufzulehnen." Nach diesen Worten hätte man meinen sollen, daß auch der rothe Prinz sich mit dem Rouher'schen Stand­punkte versöhnen werde. Allein, soeben giebt er die kategorische Erklärung ab, daß er niemals der Anhänger einer Regierung sein werde, die nicht di­rekt vom Volke eingesetzt sei. Danach scheint also die Differenz zwischen Rouher und dem Prinzen darin zu bestehen, daß Jener den «axpel au pouplo" auf gelegenere Zeit, wenn nöthig, bis nach Ablauf der Mac Mahon'schen sieben Jahre aufgeschoben wissen will, während dieser die betreffende Agitation, ohne jede Rücksicht auf das Bestehende, fortzusetzen sucht. Mich dünkt, die Erklärung für diese Divergenz der Absichten wird man sehr nahe suchen müssen, nämlich in den allergewöhnlichsten persönlichen Motiven. Je älter der Sohn des dritten Napoleon wird, um somehr verringern sich für seinen Oheim die Aussichten, seinerseits das Erbe des unglücklichen Vetters anzu­treten. Einen praktischen Versuch, zu seinem Ziele zu gelangen, wird sich übrigens der rothe Prinz wohl ebenso vergehen lassen, wie es den Anhängern des kaiserlichen Sohnes trotz derartiger Ankündigungen englischer und sonstiger Blätter nicht einfallen wird, denselben nach seiner demnächstigen GroMhrigkeitserklärung direkt nach Paris und auf den Thron zu führen.

Der Dreißigerausschuß man wird den Leser bei Erwähnung desselben nachgerade um Entschuldigung bitten müssen arbeitet emsig weiter. Die Subcommission, welche sich mit der Hauptarbeit, den konstitutionellen Grund­lagen des Sraatswesens, d. h. einstweilen des Septennimns zu beschäftigen hat, scheint sich sogar dermaßen in ihre Studien vertieft zu haben, daß sie der Außenwelt ganz vergessen hat; man hört und sieht nichts mehr von ihr. Desto mehr macht die Hauptcommission, welche das Wahlgesetz behandelt, von sich reden. Ihr hat Broglie neuerdings einen Wink gegeben, endlich einmal zum Ziele kommen zu wollen, und so hat sie es denn in zwanzig und einigen Sitzungen wirklich fertig gebracht, die Frage nach dem Modus der Abstimmung unter Ablehnung aller Amendemcnts in Uebereinstimmung mit der, bekanntlich noch von dem Thiers'schen Justizminister Dufaure angefertig­ten Vorlage zu erledigen. Welche Schaar der scharfsinnigsten Vorschläge zur Verstümmlung des LiM'aZg univMöl ist dabei ans Licht gebracht, um selbst von dieser Commission erbarmungslos wieder abgethan zu werden!

Man hatte eine Verquickung von Census und indirekter Wahl in der Weise ersonnen, daß die gesammte Wählerschaft eine gewisse Anzahl von Wahlmännern ernennen sollte, die dann zusammen mit einer Kategorie von Höchstbesteuerten die Deputirten zu wählen gehabt haben würden. Nachdem diese Projeete beseitigt waren, handelte es sich um die Frage: ob Beibehaltung