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zwischen Rhein und Mosel als eventuelle Abfindung für Frankreich in Vorschlag gebracht haben soll, für eine Fälschung seiner Aeußerungen. Es war das recht eigentlich ein vpus super ervMtionis, denn die betreffenden Aeußerungen kennzeichnen lediglich den großen überlegenen Staatsmann. Hat der Fürst sie nicht gethan, wie sie berichtet sind, hat der italienische Unterhändler vielleicht geglaubt, sie berichten zu müssen, um seiner Regierung einige Hoffnung zu lassen, daß Preußens Weigerung, keinen Zoll deutschen Gebietes abzutreten, ihr nicht Frankreichs Verbot der preußischen Allianz zuziehen werde — so ist dies historisch immerhin interessant und bei einem Unglücklichen, dessen Leben in Geistesstörung geendigt hat, doppelt möglich. Sehr möglich, daß dieser Unterhändler selbst bei einer mangelhaften geographischen Anschauung das rechte Moselufer aus eigner oder französischer Anregung für ein geeignetes Abfindungsobjekt gehalten, und als erhoffbar hingestellt hat, was er verlangen sollte oder wollte. Der patriotische Ruf des Fürsten gewinnt dadurch nicht und verliert dadurch nicht, denn Jeder weiß, daß unter allen Helden der deutschen Geschichte ihn keiner erreicht in Unnachgiebigkeit gegen das Ausland. Friedrich der Große hat nicht vermeiden können, weiter als Fürst Bismarck in der Nachgiebigkeit gegen Frankreich zu gehen. und Stein nicht, in der Nachgiebigkeit gegen Rußland. Die Ehre, welche Fürst Bismarck dem plumpen Sophisten anthat, war viel zu groß und verschaffte dem Revenant der virorum odscurorum des 16. Jahrhunderts die Gelegenheit zu neuen ebenso frechen als plumpen Fechterstreichen- Zunächst behauptete der vir odscurissimus, wenn Lcnnarmora einen ungenauen Bericht seines damaligen Unterhändlers mitgetheilt — dessen Ungenauigkeit ihm aber vielleicht nicht bekannt war — so mache Fürst Bismarck durch Feststellung der Ungenauigkeit den General Lamarmora zum Lügner. Weiter behauptete der vü- obseurissimns, der Bericht Govon'es habe für Wahrheit genommen wer- den müssen, weil er nach seiner Veröffentlichung keinen Widerspruch erfahren. Als ob ein ehrlicher Mann verpflichtet wäre, alle Lügen zu widerlegen, welche das Gesindel der ganzen Welt über ihn erfindet und nachplaudert. Vielmehr, wer sich als Gläubigen solcher Lügen ausgiebt, zeigt unwidersprechlich, wohin er gehört. Als der Ministerpräsident dies dem viro odseuro bemerkt hatte, wurde der Sophist zur keifenden Waschfrau, und behauptete, Lamarmora habe authentische Aktenstücke veröffentlicht. Ist denn Alles, was ein Gesandter berichtet, authentisch, und kann es beim besten Willen des Berichterstatters immer authentisch sein? Einen solchen Gebrauch des Wortes „authentisch" kann nur eine Waschfrau in der Verlegenheit ihrer Bosheit machen.
L —r.