4S8
pfinden werden, daß der Fall, der die erwünschte Gelegenheit bietet, doppelt willkommen geheißen werden muß. Hier ist sie gegeben — man benutze sie, man wird es nicht bereuen!
Von den heiteren Wandelbildern endlich, welche unter dem schwermüthi- gen Titel „(Zentrifugale Gewalten" uns vorgeführt werden, um uns die wohlgetroffenen Charakterbilder Johann Jacoby's und des Bischofs Ketteler mit Humor und Freimuth zu zeichnen, verbietet uns theilweise die angeborene Bescheidenheit viel rühmendes zu sagen. Denn der Artikel über Johann Ja- eoby hat in der Hauptsache etwa vor Jahresfrist in den Grenzboten gestanden, anonym, weil er durch das Geheimniß des Versassers doppelt wirken sollte, was in seltenem Maße gelungen ist. Denn Jedermann hat damals den Verfasser für ein wohlmeinendes Mitglied der Fortschrittspartei gehalten. Und zu dem Artikel über Ketteler ist vielleicht die erste Triebkraft auch aus dem Stamme hervorgegangen, auf dem die „grünen Blätter" wachsen!
So haben wir denn einen, freilich in dem harten Dränge des letzten Quartals sehr flüchtigen Umblick auf den reichen Inhalt des neuesten Werkes Karl Braun's geworfen, und wir meinen diese Umschau nicht besser schließen zu können, als mit den Worten des Verfassers selbst in seiner Vorrede, die in tiefernster, bescheidener Weise eine bessere eaMtio beuevolön- tias an die Gunst des Lesers enthalten, als lange Auszüge sie werben könnten. „Es geht Einem" sagt Braun, „wie es Friedrich Rückert in jenem schönen Gedicht schildert. Man strebt seinem Sterne zu und hofft ihn zu erreichen. Solange er vor uns steht, ist es der Morgenstern. Aber auf einmal wird man gewahr, daß man schon an ihm vorbei ist und daß aus dem Morgen- der Abendstern geworden. Da sucht man denn bei diesem abnehmenden Glänze zu sammeln, was man etwa errungen; zu sammeln nicht für sich und die Seinen, sondern vor Allem für die Freunde und Gesinnungsgenossen, welchen man ohnehin von dem, was man etwa geleistet, den besseren Theil verdankt."
Möge den Verfasser, der so anerkennend die Beihülfe der Freunde bei seinem Thun würdigt, die Theilnahme der Freunde auch bei diesem neuesten Werke begleiten. Hans Blum.
Dom preußischen Landtag.
Berlin, den 13. Dezember 1873. Zeitungsleser und Berichterstatter sollten den Ultramontanen eine Dankadresse votiren. In dieser Landtagszeit der Berathung des Staatshaushalts mit ihren technischen Einzelheiten, für die man doch selbst von dem Leser kein