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Die renitenten Geistlichen in Hessen. I.
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Die renitenten Geistlichen in Hessen.

Von Dr. Karl Wippermann. I.

Die hessischen Renitenten verursachen in neuester Zeit durch ihr seltsames Be­nehmen ungebührlich großen Lärm. Man scheint ihnen gemeinhin eine Wichtigkeit beizulegen, welche sie an und für sich durchaus nicht besitzen. Die Berichte über ihr Verhalten pflegen in der Tagespresse auf gleicher Ztufe mit denen über Ungehor­sam, Uebergriffe und Ausschreitungen der Ultramontanen zu rangiren. Mit diesen haben die Vttmaraner allerdings große Ähnlichkeit, auch geht ihr ganzes jetziges Gebahren aus staatsfeindlichem Sinne desselben Grades wie bei jenen hervor; nur tdut man unrecht, ihnen eine besondere politische Bedeutung beizuimssd'n. Unter den Gegnern des deutschen Reichs nehmen sie zwar ein kleines Plätzchen, und nicht in Utzrer Reihe, ein; doch wird dadurch die Gefäh>lichk.it der feindlichen Linie kaum merklich erhöht, höchstens letztere etwas bunter gejärbt. Sie haben nicht, wie die Ultramontanen, einen Theil der Bevölkerung hinter sich: es gibt in Hessen keine in kirchlicher oder poli­tischer Beziehung dem kleinen Häuflein anhängende eigentliche Partei; die Vllmaraner sind von Haus aus nichts als kirchenpolitische Sonderlinge, die freilich im früheren Kurhessen, in Folge ganz absonderlicher Verhältnisse dieses Kleinstaars, auf längere Zeit zu vielem Einflüsse gelangten, seit 1866 aber auf ihr eigentliches Wesen als hierarchische Carricaturen beschränkt und gegen­wärtig von dem Gefühle durchdrungen sind, daß ihnen nichts Besseres mehr übrig bleibe, als zur Auflehnung der katholischen Kirchenorgane gegen die Staatsgesetze wichtigtuerisch ihr Scherflein beizutragen.

Es herrschen über dieseRenitenten" mehrfach Irrthümer; nicht selten findet sich z. B. die Meinung, man habe es mit Strenglutheranern, wie etwa im Hannöverschen, zu thun, und es scheint dieser von ihnen selbst nicht genügend bekämpfte Irrthum u. A. zur Vergrößerung des Fonds beigetragen zu haben, welchen sie zur Stütze ihresVerfassungskampfes" sich anzulegen verstanden. Sogar das Organ der Renitenten, dieHessischen Blätter", klagte noch am 24. Oct, d. I.. daß jedes Verständniß für ihre jetzigen Bestrebungen selbst den übrigen hessischen Pfarrern abgehe. Es erscheint angemessen, die Anschauungen und das Verhalten der Renitenten grade im jetzigen Augen­blicke einem größeren Publikum etwas näber vorzuführen und zu zeigen, welche Bewandtniß es mit diesen jedenfalls höchst seltsamen Erscheinungen hat.

Mit Recht werden die hi-ssischen Geistlichen der in Rede stehenden Rich­tung nach August Vilmar benannt, denn von diesem ist die Lehre, welcher sie huldigen, hauptsächlich ausgebildet und vertreten. Vilmar, als Literarhisto-