Im Kampfe gegen Frankreich 1792—93.
Eine Quellenstudie von C. A. H. Burkhardt.
Wenn man die zum Theil höchst bedeutsamen mit kritischer Gründlichkeit verfaßten Arbeiten über den deutsch-französischen Krieg durchmustert, so wird man kaum auf eine stoßen, die über das nächste und allen gemeinsame Ziel hinausgeht, die Facta dieses Feldzugs allein mit Sorgfalt, Gründlichkeit und voller Unparteilichkeit festzustellen. Wir haben alle Ursache, dieses Streben in den hervorragenden Werken anzuerkennen und dürfen die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, unter denen solch ein Gesammtbild, wo Licht und Schatten so naturgetreu sich zu vereinen pflegen, geschaffen wird. Und doch möchte man wünschen, daß man in der schon an sich interessanten Lectüre hier und da an Ereignisse erinnert würde, welche einen Vergleich mit dem, was wir früher und zuletzt in diesem Kampfe geleistet haben, gestatten könnten. Freilich wird diese sozusagen vergleichende Darstellung ihre besonderen Schwierigkeiten haben und wenn wir selbst der Ansicht sind, daß die Zeit für eine solche Richtung der Darstellung unmöglich jetzt schon da ist. so dürfte doch später einmal sich zeigen, daß die Verwirklichung dieser Idee unstreitig ihre lohnende Seite haben wird/") — Unter dem frischen Eindruck unserer Kriegsliteratur ist an der Hand der Quellen das nachstehende Culturbildchen entstanden, welches, natürlich Vieles voraussetzend, sich zur Aufgabe gestellt hat, in einigen Zügen die Verhältnisse unseres Vaterlandes zu kennzeichnen, als es 1792 den Kampf mit der französischen Revolution aufnahm. Wir sind dabei gleichzeitig auf die Verhältnisse eines deutschen Kleinstaates, auf Weimar eingegangen, um von Neuem einen quellenmäßigen Beitrag für das Leben Goethe's zu geben. Denn so lange die Biographie Goethe's sich nicht auf der breitern Basis aufbaut, wird sie stets lückenhaft bleiben
*) Einen sehr schätzbaren Versuch solcher Arbeit enthält jedenfalls das Buch von Max JähnS „da« französische Heer" von der Revolution bis znr Gegenwart. Leipzig, F. W. Grunow 1813.
Gcmzboten IV. 1L73. 36