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Neueste deutsch-dänische Verständigungsversuche.
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Aeuefte deutsch-dänische Derständigungsversuche.^)

Es ist eine bedauerliche Thatsache, daß in Folge des gegenseitigen Nationalhasses das geistige Leben des Nordens den Deutschen seit einem * Vierteljahrhundert ebenso fremd geworden ist, wie den Dänen der Verlauf der gleichzeitigen Geistesentwicklung in Deutschland. Beide Nationen kennen einander nicht mehr, weil einer jeden nicht blos für die politischen, sondern auch für die Kunst- und Literatur-Zustände der anderen der Schlüssel des Verständnisses abhanden gekommen ist. Das dänische Publikum schöpft seine Kenntniß deutscher Verhältnisse seit Jahren lediglich aus den tendenziösen Schmähartikeln der Kopenhagener Zeitungen, welche, ihre politische Weisheit aus den Schlammkanälen der französischen Presse beziehend, mit ernsthafter Miene die abgeschmacktesten Fabeln der Barbarenwirthschaft im deutschen Reiche, zumal in der Kaiserstadt an der Spree, kolportiren, wo, wenn man ihnen Glauben schenkt, Mord und Todschlag alltägliche Ereignisse sind und kein friedlicher Bürger sich am hellen Mittag anders als bis an die Zähne bewaffnet auf die Straße getraut. Kaum minder abenteuerliche Vorstellungen macht man sich in Deutschland von den politischen und Kulturzuständen im skandinavischen Norden. Selbst unsere großen politischen Journale hielten es bis jetzt nicht der Mühe werth, sich über Kunst und Literatur, ja selbst nur über die eigenthümlichen Verfassungs- und Religionskämpfe in Däne­mark näher zu orientiren, was freilich bei der Abnormität der dortigen Gei­stesrichtung seine Schwierigkeit hat und ein aufmerksames Studium der däni­schen Tagespresse, eine mühevolle Combination nicht allein des Gelesenen, son­dern fast mehr noch des zwischen den Zeilen Verstkckten erfordert." Gewiß finden auch wir die Thatsache des gegenseitigen Nationalhasses selbst bedauer­lich, wie sie der Verfasser in den ausgehobenen Worten bezeichnet, denn wir müßten unsere deutsche Ader ganz verleugnen, wenn uns Feindseligkeit und Haß nicht einen schmerzlichen Gemüthseindruck machen sollte, gleichviel wo wir ihnen in der Welt begegnen, am meisten aber, wenn wir selbst das Subject oder Object und hier nun gar Subject und Object zugleich sind. Denn Schiller'sSeid umschlungen Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt" fühlt jedes deutsche Herz, so lange nur noch eines schlägt, als sein eigentlichstes und innerstes Lebensbedürfniß und der Dichter ist hier in noch viel specifischerem Sinne als sonst, nichts weiter als der Mund oder die Stimme des gesammten nationalen Geistes. Eben deßhalb werden wir auch

") Das geistige Leben in Dänemark, Streifzügc auf den Gebieten der Kunst, Literatur, Politik, Journalistik des skandinavischen Nordens von Adolf Strodtmanu. Berlin: Verlag von Gebriider Partei 1873.