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Otto Gumprecht: Richard Wagner und sein Bühnenschauspiel "Der Ring des Nibelungen".
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Unter obigem Titel sind bei Leuckart in Leipzig die sechs Artikel als be­sondere Schrift erschienen, welche Otto Gumprecht während dieses Sommers im Feuilleton der Nationälzeitung über Richard Wagner's Ring des Nibe­lungen veröffentlichte. Der Verfasser, seit nahe an 20 Jahren musikalischer Berichterstatter der Nationalzeitung, genießt längst den Ruf eines der ersten wenn nicht des ersten musikalischen Kritikers in Deutschland. Er verdankt diesen Ruf einmal einer umfassenden ästhetischen und wissenschaftlichen Bil­dung, in der er wohl alle seine Berufsgenossen überragt; dann aber haupt­sächlich einer an glücklichen und prägnanten Wendungen außerordentlich rei­chen, schönen und gewählten Sprache. Zahlreiche von ihm erfundene Wen­dungen kehren jetzt als eMlnzw ornantig, überall in der Sprache des deut­schen Feuilletons wieder. An den rechten Platz aber zu der rechten Wirkung weiß nur der Urheber sie zu stellen. Das ist die natürliche Schutzwehr des geistigen Eigenthums, die zum Glück unzerstörbar ist, während es mit dem Rechtsschutz dieses Eigenthums alle Zeit leider nicht zum Besten bestellt bleiben wird.

Dieser Schriftsteller, dessen Berichte wir selbst seit langen Jahren mit Interesse verfolgen, hat, wie billig und menschlich, auch seine Mängel. Wenn er einmal eine Reihe seiner Feuilletons als Buch herausgiebt, so pflegen sie uns viel weniger zu gefallen. Das hat einen sehr guten Grund. Tagesbe­richte dürfen, ja sollen bis zu einem gewissen Grade einseitig sein. Sie sollen hauptsächlich wiedergeben, was der Tag für den Tag aufregt. Natürlich in- teressirt uns nur das zu erfahren, was die Tageserscheinungen in der Seele gebildeter Menschen aufregen, das sind solche Menschen, die im Zusammenhang der Kunst und Literatur leben. Aber weiter geht Niemand in den Anforde­rungen an den Tagesbericht. Was in der Seele der Gebildeten nicht präsent ist, das soll der Tagesbericht nicht herbeiziehen. Weitläufige und vollständige Studien zur Herstellung aller Zusammenhänge verlangen wir von ihm nicht, ja wir lehnen sie von ihm ab. Denn was er uns vor Allem geben soll, das ist die unmittelbare Empfindung der gebildeten Zeitgenossen von den Er­scheinungen des Tags. Ganz anders ist es mit Büchern, wenn sie wesentlich reflectirenden Inhaltes sind und daher Anspruch auf Wissenschaftlichkeit ma­chen. Hier verlangen wir eine erschöpfende Methode und Vollständigkeit der Gesichtspunkte. Feuilletons in Buchform können als Denkmale verschwundener oder verschwindender Perioden sehr anziehend und dankenswert!) sein. Wenn aber die Berichte der Tagesblätter unmittelbar nach ihrem Erscheinen in