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Das Postwesen auf der Wiener Weltausstellung.
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Jas "Ioflwesen auf der Wiener Weltausstellung.

Wien, 1. Nov. 1873.

Die Weltausstellung ist geschlossen. Auch sie ist dem Loose aller irdi­schen Dinge verfallen. Sie ist gewesen. Doch ihr Eindruck wird unver­gänglich sein.

Die Kulturleistungen der Jetztzeit sind nicht blos von Tausenden regsamer Geister aufgenommen und lebendig erfaßt worden, sondern es ist überhaupt nicht zu fürchten, es werde jemals der Charakter unsrer Kultur in die volle Nacht geschichtlicher Vergessenheit sinken, wie es thatsächlich mit der Kultur ver- gangenerZeiten geschehen ist. Daß diese unsere Kultur erhalten und aufbewahrt blei­ben werde, dafür bürgt der Standpunkt, welchen das Schrift thum (im weitesten Sinne) sowie die Verkehrsmittel, jene Lebensadern menschlicher Vereini­gung, einnehmen. Im Hinblick hierauf war es eine geistvolle Illustration dieser wichtigsten modernen Kulturhebel, die Presse und ihre Erzeugnisse unter den Verkehrsmitteln aber das weitverbreitetste und daher mächtigste, das Postwesen in den Kreis der Ausstellungsgegenstände zu ziehen. Der hervorra­gendste Antheil an diesem Gedanken gebührt dem General-Postdirektor des deut­schen Reichs, Heinrich Stephan. Wie sichim wirklichen Leben Postwesen und Presse schwesterlich die Hand reichen, so ließ Stephan auch für die Ausstellungs­zwecke der Presse, natürlich derjenigen des Deutschen Reiches, die Post- anstalten mit ihrer weitverzweigten Wirksamkeit ins Mittel treten. Die Reichspost sammelte alle jene Blätter und selbst Blättchen, welche in dem weiten Gebiete zwischen Passau und Oldenburg, zwischen Constanz und Me- mel die tägliche Geistesarbeit auf politischem und sozialem Felde ans Licht fördern. Durch dieses Mittel wurde eine Ausstellung der Preßerzeugnisse er­zielt, welche an Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit diejenige aller übrigen Länder übertrifft; denn es sind außer den deutschen Tagesblättern auch die periodischen Zeitschristen, Journale, Wochen und Vierteljahrs-Blätter Deutsch­lands aus allen Gebieten der menschlichen Arbeit in Kunst, Wissenschaft, Handel, Industrie und Gewerben in Original-Exemplaren zur Anschauung ge­bracht. Diese Ausstellung ist nicht eine der geringsten Zierden des deutschen Unterrichtspavillons, welcher zwischen dem Nordportal des Industrie-Palastes und der Maschinenhalle sich erhebt.

Ebenso wie die Ausstellung der deutschen Preßerzeugnisse ist die Aus­stellung des deutschen Postwesen s Stephan's eigenstes Werk, mit dem er allen anderen Kulturstaaten voranging, von denen leider nur Oesterreich diesem Beispiele gefolgt ist. Wenn auch die Veranschaulichung der freien menschlichen Thätigkeit einen Hauptzweck der Weltausstellung