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NeWmnn's Kunst-Unffatt in Mrnberg»
Wohl die meisten Fremden, welche die altehrwürdige Reichsstadt Nürn- berg. des deutschen Reiches Schatzkästlein, besuchen, um die Werke alter Kunst, welche daselbst trotz einer schon Jahrzehnte andauernden, systematischen Plünderung, in großer Zahl noch erhalten und zu einer charaktervollen und höchst malerischen Gesammtwirkung vereinigt sind, kennen zu lernen, gehen auch nach der Hirschelgasse und besichtigen das freiherrlich Tucher'sche Haus und die in demselben befindliche weltbekannte Fleischmann'sche Fabrik mit ihren interessanten reichen Waarenlagern.
Dieses Tucher'sche Landhaus, — wie es jetzt noch immer heißt, denn es lag zur Zeit seiner Erbauung in der Vorstadt und ist noch heute mit einem großen Garten versehen — ist architektonisch sehr merkwürdig und gehört zu den kunstgeschichtlich interessantesten Privathäusern, welche wir in Deutschland besitzen, denn es ist eines der ersten Baudenkmale deutscher Ren aissan ce, und wurde, laut Inschrift, im Jahre 1S33 errichtet. An ihm mischen sich die Formen der damals neuen, soeben aus Italien herübergebrachten Kunstweise mit der überlieferten gothischen Kunst zu einem interessanten und bedeutsamen Ganzen. Von Einzelheiten fesseln uns, außer dem nach der Straße hin belegenen Erker, hier „Chorlein" genannt, mit seinem auffallenden plastischen Schmuck und dem runden Treppenthurm mit feinen drei Zwiebelkuppeln, besonders auch die nach dem Garten hin belegenen Zimmer, dessen alte aus dem sechzehnten Jahrhundert stammende Ausstattung noch recht wohl erhalten ist. Die Wände sind vertäfelt und oberhalb der Ver- täfelung mit Gobelins bedeckt, die Fenster mit Glasgemälden geschmückt und an der Balkendecke des einen Zimmers hängt ein pikanter Leuchter herab, an welchem die eigentlich Lichter tragenden Arme sich um einen Hirschkopf mit dem Wappen der Familie Tucher gruppiren. Neben diesem stattlichen Herrenhause liegt, zum Theil von verfallenden Wohn- und Fabrikgebäuden, ohne architektonischen Werth, zum Theil von einer Gartenmauer mit Brunnen umgeben, ein höchst malerischer Hof, das Entzücken der Maler und Photographen.
In diesem in vielfacher Beziehung interessanten Local befindet sich also W. Fleischmann's Kunst-Anstalt, welche von kleinem Anfange durch Umsicht und unablässiges Streben zu ihrem heutigen, ansehnlichen Umfange und einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung sich emporgearbeitet hat.
Die Fabrik wurde im Jahre 1829 vom Vater des jetzigen Besitzers C. W. Fleisch mann gegründet. Er war Kaufmann, handelte besonders mit Puppenköpfen, welche er aus der Fabrik von Voit in Hildburghausen bezog. Weil wegen der damals noch bestehenden Zollgrenze zwischen Sachsen