117
derartiger Strohüberschuhe begonnen, um dieselben durch die Etappen-Com- mandanturen den durchpassirenden Truppen unserer Armee, und hier in erster Linie den Kranken, sodann, wenn ausreichender Vorrath beschafft, auch den Kriegs-Gefangenen für die Eisenbahn-Transporte zu überlassen. Die Fabri- cation dieses Artikels wurde durch kriegsministeriellen Befehl vom 5. März 1871 fistirt. Um so mehr entwickelte sich eine von den Gefangenen auf eigene Faust betriebene Kunst-Industrie, wovon ich in einem früheren Artikel berichtet habe.
^
Brief eines Luxemburgers an einen Landsmann.
Dritter (letzter) Brief.
Für uns handelt es sich einzig und allein darum, als deutscher Nolks- stamm freundschaftlich und freundnachbarlich zu unserm deutschen Stammland zu stehen, und nicht die Feinde unseres Mutterlandes zu begünstigen und zu unterstützen. Da kommen wir zu der Thatsache, die ich nicht leugnen kann, wie du sagst, nämlich der Abneigung der Luxemburger und der Süddeutschen, auch wohl der Holländer, gegen das preußische Regiment, den preußischen Militarismus. Wenn ich auch, soweit das unser Land selbst betrifft, die angeführte Thatsache nicht leugnen kann, so kann ich mir dieselbe doch sehr wohl erklären. Wer ist's, der seit Sadowa. seit 1866, bei uns wider den „Preuß" (d. h. Deutschland) hetzt und wühlt? Genau dieselben dunklen Ehrenmänner, welche bis 1866 aus allen Kräften und mit allen Mitteln für den deutschen Michel gewirkt haben. Aber freilich! damals hieß der deutsche Michel Oesterreich, und war der demüthige und gehorsame Diener der Jesuiten. Diese durften damals noch hoffen, diesem ihrem Liebling die Hegemonie in Deutschland zu erringen, d. h. sich selbst an die Spitze Deutschlands zu erheben, und dem Protestantismus, dem freien deutschen Geiste, der freien Forschung, der Wissenschaft, der Wahrheit und dem Lichte, den Garaus zu machen. Diese Hoffnung ist bei Sadowa untergegangen. Der Günstling und Liebling, das Schoßkind der Dunkelmänner, das blindgehorchende Oesterreich, wurde aus Deutschland hinausgedrängt, und die Hegemonie, von der die Finsterlinge so Vieles gehofft, ging eben an die Macht über, die sie vernichten wollten. — Das weißt du wohl eben so gut als ich und andere Leute. Und wie unsere Jesuiten damals sofort rechtsum schwenkten und Allem fluchten, was sie eben noch angebetet hatten, ist dir wohl auch bekannt. Von dieser Stunde an taugte Deutschland keinen rotben Heller mehr. Nur bet Frankreich war noch Heil. Selbst Oesterreich, das' jahrhundertelange Schoßkind des Ultramontanismus, wurde geschmäht, und der Verachtung der katholischen Welt preisgegeben. Hatte es darum der Jesuitismus mit seinem Herzblut genährt und großgezogen? — Auf, Frankreich! auf ihr frommen Enkel von Ludwig dem Heiligen! und die Scharte ausgewetzt! hieß es nun. Und leider Frankreich