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in der modernen deutschen Literatur, der belletristischen wie in der kulturhistorischen orientiren wollen, ist die Lektüre der Bilder Julian Schmidt's dringend zu empfehlen, gleichviel bevor oder nachdem die Schriften der Verfasser gelesen sind. In beiden Fällen mag man sich das Recht einzelner Meinungsverschiedenheiten mit Julian Schmidt vorbehalten und von diesem Rechte Gebrauch machen. Aber im Ganzen wird man ihm für die treffliche Uebersicht über die verschiedensten Autoren und für seine ausgezeichnete Charakteristik und Kritik ihrer Eigenart und ihrer einzelnen Werke, sowie für die lebendige Anregung, die er bietet, bleibenden Dank schulden.
Hans Blum.
Aichard Wagner's „Mng des Uibei'ungen."
5. Die Möglichkeit der musikalischen Gestaltung.
Die musikalische Aufgabe ins Auge fassend, welche sich der Dichter und Componist mit der Tetralogie „der Ring des Nibelungen" gestellt, betreten wir das eigentlichste Gebiet seiner Kunsttheorien, seiner Theorie des Drama, der Musik und der Verbindung beider. Gleichwohl müssen wir auch hier die Beschränkung bewahren, die wir bei diesen Aufsätzen uns von Anfang auferlegt. Mit Wagner, dem Reformator des Dramas auf dem Boden der Theorie, wollten wir diesmal nicht discutiren. Dazu findet die Gelegenheit sich vielleicht ein ander Mal. Aeußere, aber auch innere Gründe haben uns jetzt zu dieser Beschränkung bewogen. Es kam uns darauf an, die Dichtung vom Ring des Nibelungen als für sich dastehende Schöpfung auf uns wirken zu lassen, und von dieser Wirkung Rechenschaft abzulegen.
Die Dichtung liegt als Ganzes vor, die musikalische Komposition noch nicht. Auch ist die Bekanntschaft einer Komposition, wie man sie durch das Studium der Partitur oder eines Clavierauszuges ohne den- gleichzeitigen Eindruck der Darstellung machen kann, noch ungenügender als das Lesen einer auf Darstellung berechneten Dichtung. Wir besprechen daher den musikalischen Theil der Magner'schen Nibelungendichtung soweit die Gelegenheit zu seiner Bekanntschaft bis jetzt gegeben wäre, nicht. Wir wollen nur den Versuch macheu, das Verhältniß in der Dichtung zur musikalischen Gestaltung zu bezeichnen, wie es uns beim Lesen des Werkes erschienen ist.