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Meta Holdenis : ein Roman von Victor Cherbuliez.
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Meta Koldenis.

Ein Roman von Victor Cherbuliez.

In nachstehenden Zeilen wird deutschen Lesern und Leserinnen, haupt­sächlich aber nur solchen, die einige Muße haben, ein französischer Roman signalisirt, den sie lesen sollten. Jedenfalls ist derselbe einem deutschen Lese­publikum unschädlicher als einem französischen. Letzteres wird beinahe aus jeder Zeile das berauschende Gift blinden Deutschenhasses saugen; deutsche Leser aber werden sich in unterhaltender Weise darüber belehren, wie in einem fran­zösischen Kopfe, besonders seit dem letzten Kriege, deutsche Häuslichkeit, deutsche Weiblichkeit und deutsche Poesie sich abspiegeln und zu Zerrbildern werden, ähnlich den häßlich verkürzten und verschobenen Gestalten, die man in jenen Metallkugeln erblickt, mit denen geschmackloser Weise so manche Gärten ver­unziert sind.

Vielleicht möchte man zuerst erfahren, wer Victor Cherbuliez sei und was er sonst etwa geschrieben. Denn obwohl man in Deutschland die gleich­zeitige französische Literatur ungemein viel besser kennt, als in Frankreich die deutsche, so dürfte doch Victor Cherbuliez den meisten Lesern noch wenig be­kannt sein. Aber wir ziehen vor, von dem Verfasser des genannten Romans am Schlüsse dieser Kritik zu sprechen; wir machen es wie der Pvlyphem mit dem Odysseus, Zuerst trinken wir seinen (freilich in diesem Falle nicht ganz göttlichen) Wein und rechten mit ihm darüber; zuletzt erst speisen wir ihn auf. Ob er uns aber wie Odysseus am Ende entrinne, darüber mögen die Leser dieser Zeilen urtheilen.

Der Roman Meta Holdenis (zuerst in der Revue äss äeux monäöL, so­dann in einer Seperatausgabe erschienen, in der „Jllustrirten Schweiz" sehr fein ins Deutsche übersetzt) hat seinen Namen von der Heldin, einem deut­schen Mädchen. „Hauptperson" sollte ich diese Meta eher nennen. Denn Heldin ist sie nur in der Verstellung, in der schamlosen Lüge und vollende­ten Heuchelei. Ihr steht gegenüber Tony Flamerin, ein junger, französischer Maler, ehrlich, ein wahrer cneviüier ssnkz pvur et Sims renioene, derJdeal- typus französischer Munterkeit, französischen Witzes, französischen Edelsinnes, eine offenbar mit Liebe gezeichnete Figur. Dieser vielversprechende junge Mann ist der Sohn eines Küfers in Beaune, wo der gute Wein wächst. Sein Vater ist mit dem Malerberufe des Sohnes nicht einverstanden. Er macht dem Sohne Vorwürfe. Wirklich hübsch ist die Stelle, wo der Alte zu seinem verfehlten Jungen spricht: „Tony Flamerin, mein einziger Sohn, setze Dich hier vor mich in die Sonne und blicke zu Boden. Du wirst den Schattten eines Narren sehen." Ueberhaupt sei hier bemerkt, daß die Sprache im All-