515
Kirchengerichte von der ältesten Zeit bis zum 19. Jahrhundert.
In Vorlesungen von Dr. K. R. Hagenbach, ord. Prof. in Basel. Neue durchgängig überarbeitete Gesammtausgabe. 7 Bände. Leipzig, S. Hirzel 1869—1872.
Populäre Darstellungen, welche ein großes Gebiet einer Wissenschaft auch dem Laienpublikum zugänglich machen wollen, gehören zu den Bedürfnissen unserer Zeit. Nicht grade wissenschaftlich sehr lohnend pflegt eine derartige Arbeit zu sein, es ist ein Unglück, daß sie deßhalb meistens populären halb- gebildeten Federn überlassen bleibt. Ein wissenschaftlicher Forscher übernimmt sie selten gerne, Verdächtigungen und höhnischen Bemerkungen seiner Fachgenossen setzt er sich leicht dabei aus. Um so mehr freuen wir uns, daß Einer unserer akademischen Veteranen sich entschlossen hat, eine Anzahl von Einzelwerken zu einem Ganzen aneinanderzuschließen und damit eine zusammenhängende populäre Darstellung der gesammten Kirchengeschichte zu geben. Einem fühlbaren Bedürfniß ist damit» abgeholfen worden.
Gesamtdarstellungen der Kirchengeschichte besitzen wir mehrere. Es genügt an Schröckh, Spittler, Plank, Hanke und Gieseler zu erinnern. Das große Werk des letzteren, in elf Bänden, ist noch immer durch die Fülle und den Umfang der Gelehrsamkeit und Belesenheit das bedeutendste von allen. Obwohl hier und da veraltet, ist es noch nicht ersetzt; aber der gelehrte Apparat, mit dem Gieseler auftritt, ist von bleibendem Werthe und heute bei gelehrter Beschäftigung mit Kirchengeschichte unentbehrlich. Das ähnlich angelegte Werk von Neander ist unfertig geblieben; es ist in dem was vorliegt, von ungleichem Werthe. Auch über Gfrörer und über Baur (der kundige Leser verzeihe, daß wir beide Namen zu gleicher Zeit nennen) wird das letztere Urtheil Bestand haben: Baur's Leistung ist in verschiedenen Perioden ganz verschieden; es fehlt die gelehrte Unterlage, und für ein populäres Buch ist der Ton zu schwerfällig. Den hohen Verdiensten Baur's um kritische Forschung soll damit kein Abbruch geschehen: wir sind der Meinung, sie geradezu als Muster unseren Theologen vorzuhalten. Sonst besitzen wir noch manches mehr oder wenig brauchbare kürzere Compendium, und unter diesen auch das geistvolle fesselnde Buch von Hase, ein wahres Kunstwerk. Was uns gefehlt, ist eine ausführlichere, in die Details ein- gehende, populäre und lesbare, aber auf gelehrtem Boden gewachsene Kir»