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Deutsche Staatsmänner und Abgeordnete : Karl Biedermann.
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Deutsche Staatsmänner und Abgeordnete.

Karl Biedermann.

Wenn heute eine politische Partei Deutschlands sich anschickt, den Kriegs­pfad einer neuen Mahlcampagne zu betreten, so wird man nur in wenigen Wahlprogrammen die fröhliche Versicherung vermissen, daß seit dem letzten allgemeinen Wahlgang beinahe das ganze damalige Programm der Partei durch die Beschlüsse der gesetzgebenden Factoren verwirklicht worden sei. In diesem, für praktische Politiker ehrenvollsten, und der Wahrheit völlig ent­sprechenden Zeugniß über die eigenen Strebungen und Erfolge, sind nament­lich Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum Reichstag und zu den Einzel­landtagen alle Parteien einig, von der deutschen Fortschrittspartet an bis zu den Neuconservativen!

Diese Thatsache ist höchst bemerkenswert!) in dreifacher Hinsicht. Ein­mal für die gewaltige, bahnbrechende Gesetzgebungsarbeit unsrer Tage. Drei Jahre nur dauert die Legislaturperiode des Reichstags, kaum länger durch­schnittlich diejenige der deutschen Einzellandtage. Und in dieser kurzen Spanne Zeit gelingt es heute, im Wege der Gesetzgebung den größten Theil der Wahlprogramme zu verwirklichen, die vor drei Jahren den Wählern als die höchsten Ziele der verschiedenen Candidaten vorgehalten wurden; gelingt es, auch die deutschen Regierungen, des Reichs und der Einzelstaaten, für diese Forderungen der Volksvertreter soweit zu erwärmen, daß im Reich und im Einzelstaat die Mehrzahl derselben zu gesetzlicher Anerkennung gelangt. Und Wahlprogramme pflegen, sich doch bekanntlich durch eine allzuängstliche Be­schränkung im Begehren und Versprechen nicht auszuzeichnen, am wenigsten auf Seiten der äußersten Flügel. Das Wort, welches Fürst Bismarck einst, als Graf, über Mende im vertrauten Kreise sprach:er habe einen Abgeord­neten gekannt, der jedem seiner Wähler einen Ochsen versprochen habe, nach­her begnüge er sich wol auch mit einer Ziege", gilt ja gewiß heute noch. Die zweite sehr wichtige Folgerung, welche aus der raschen Realisirung so vieler Parteiprogramme sich von selbst ergibt, ist das glückliche Ineinander­greifen und die volle Berechtigung aller nationalen Mittelparteien auf der rechten und linken Hälfte des Hauses, und andrerseits das wohlwollende Ein- Grenzboten 1873. II. 4g