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Die Neuerungen im Offizierbildungswesen.
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Aufgabe zu lösen haben, eine kriegswissenschaftliche Bildung zu vermitteln, welche die Grundlage für eine spätere Verwendung im Dienste des General­stabes und der höheren Adjutantur, vor Allem aber als höhere Truppen­führer gewährt". Der Zweck der Kriegs - Akademie ist also vornehmlich, die Werkzeuge für den Chef des Generalstabes der Armee zu schmieden; daß der Chef des Generalstabes deßhalb den hauptsächlichsten Einfluß auf diese Aka- demie ausüben muß und auch schon seit Jahr und Tag in der That ausge­übt hat, ist einleuchtend. — Baron von Stoffel zeigt in diesem Punkt mehr Kenntniß der Verhältnisse als der Verfasser des in Rede stehenden Aufsatzes. — Daß diesem thatsächlichen Verhältniß jetzt das formelle Siegel aufgedrückt wird, hätte deßhalb nicht soviel Verwunderung, ja sogar böses Blut zu er­regen brauchen. Sollen wir uns — dem Beispiel des Verfassers des qu. Artikels folgend — auch auf das Gebiet der Vermuthungen begeben, so glauben wir, daß es eine persönliche Rücksicht Sr. Majestät gegen den hoch­bejahrten, höchst verdienten, in seinen Bestrebungen ja oft nicht genügend unterstützten General war, wenn ihm, so lange er Generalinspekteur war, keins seiner Ressorts genommen wurde.

0. v. L.

Dom deutschen Keichstag und vom preußischen Landtag.

Berlin, den 4. Mai 1873. Der Reichstag hat am 80. April in dritter Berathung den vom Abge­ordneten Schulze eingebrachten Gesetzentwurf bestätigt, wodurch Artikel 32 der Reichsverfassung dahin abgeändert werden soll, daß die Neichstagsmitglieder künftig Ersatz der Reisekosten und außerdem Diäten erhalten. Die Majorität betrug 145 gegen 85 Stimmen. Auf die Forderung selbst haben wir nicht zurückzukommen. Sicherlich wird der Bundesrath die beantragte Verfassungs­änderung nicht genehmigen, und die nächsten Reichstagswahlen werden noch­mals ohne Aussicht auf Diäten vor sich gehen. Einzelne Redner gingen bei der dritten Berathung so weit, von der fehlenden Diätenaussicht bei den bevor­stehenden Wahlen zu befürchten, daß die Majorität für die Diäten im nächsten Reichstag verloren gegangen sein könnte. Wir hegen diese Erwartung nicht, und denken, die Vertheidiger der Diäten wieder auf den gewohnten Plätzen Zu sehen. Erneuert sich in der nächsten Legislaturperiode der Kampf für die Diäten mit alter Hartnäckigkeit, so wird die Reichsregierung mit Gegenan­trägen aus andere Reformen, als Preis für die eventuelle Diätengewähr her- vortreten müssen.

An demselben Tage wurde ein vom Abgeordneten Wiggers eingebrachter Gesetzentwurf über Vereine und Versammlungen in erster Berathung einer Kommission überwiesen.

Grenzboten 1873, II. 30