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Kritische AemerKungen zu Hoethe's Iiographieen.
1. Die Erwerbung des Gartens von
C. A. H. Burkhardt.
Im Leben Goethes harrt noch Vieles der Aufklärung: aber auch gar Manches, was man für wahr und quellenmäßig festgestellt erachtet und das sich in allen Darstellungen unverändert wiederholt, zeigt sich bei eingehender Forschung doch nur als halb wahr und verdreht. In der Regel haben vorzüglich die pikanteren Züge aus dem Leben des Dichters viel Wahrscheinlichkeit für sich, namentlich solche, die auf mündlicher Ueberlieferung ganz glaubwürdiger Personen bafirt sind oder auf Forschungen von Männern fußen, welche allein das Privilegium für die Goetheforschung in Anspruch nehmen. Man weiß die Erzählung dem Geiste der Zeit entsprechend zu färben und dem Character der mitwirkenden Personen so anzupassen, daß selbst der tiefere Kenner jener Zeitperiode nichts als pure Wahrheit vermuthet, und sich an der Erzählung wie an einem characteristischen Moment zu weiden pflegt.
Unter die halbwahren Erzählungen, die wir in diesen Blättern nacheinander vor das Forum der Kritik zu ziehen gedenken, gehört auch die treffliche Geschichte über die Erwerbung des Goethe'schen Gartens am Weimarischen Parke. Sie ist anziehend und deßhalb in alle Darstellungen übergegangen, welche den frühesten Aufenthalt Goethes in Weimar und das Verhältniß zum Herzog Karl August zu characterifiren haben. Einer schreibt dem Andern nach, und im Buche von Lewes hat die Erzählung schon einen bedeutenden Zusatz mehr erhalten, als die ursprüngliche Quelle gestattete. Eines Tages, so schreibt Lewes,*) als der Herzog lebhaft in Goethe drang, in Weimar zu bleiben, erwähnte der noch unschlüssige Dichter, der damals im Jägerhause an der Belvedere - Allee wohnte, unter andern Entschuldigungen den Mangel eines eignen Grundstücks, wo er seine Neigung zum Gartenbau ungestört befriedigen könnte. „Zum Beispiel Bertuch befindet sich vortrefflich; hätte ich nur ein Fleckchen Land wie das!" Darauf geht der Herzog (der Zug ist characteristisch) zu Bertuch und sagt ihm ohne Umschweife: „Bertuch, ich muß Deinen Garten haben." Bertuch, ist höchst erstaunt; „Aber Durchlaucht—" „Kein aber!" unterbricht ihn der junge Fürst, ich kann Dir nicht helfen, denn Goethe will ihn haben und mag hier ohne ihn nicht leben." Vielleicht wäre dieß für Bertuch nicht bestimmend gewesen, wenn nicht der Herzog seine will-
-) I, 447 nach Frese's Ucbersetzung.