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Socialdemokratisches aus der deutschen Vergangenheit : 2. Die städtischen Arbeiter und die Kaufmannschaft.
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wird. Zu einem Conflicte gehören zwei gegeneinander wirkende Kräfte. Wird eine derselben oder beide durch äußere Gründe lahm gelegt, so hört damit so ipso der Streit auf. Haben wir eine städtische Bevölkerung, deren untere besitzlose Klassen gegen den Druck der Besitzenden und die obrigkeitlichen Be. schränkungen anzukämpfen beginnen, und es folgt eine allgemeine Verarmung, so giebt es kein Streitobject mehr. Erst wenn die ursprüngliche Spannung wieder eintritt, dürfen wir socialdemokratische Symptome der alten Art wieder erwarten. Nun ist es merkwürdig, daß das sechzehnte Jahrhundert in seiner zweiten Hälfte nach den bitteren Erfahrungen der ersten reumüthig auf die perhorrescirten und scheinbar für immer vernichteten Zunfteinrichtungen des ausgehenden Mittelalters zurückgreift. Ueberall werden die alten Statuten von Neuem hervorgesucht und bekräftigt; jedoch wird auch diese Neusormation, ehe sie noch einen besonderen Charakter annehmen konnte, durch die Stürme des dreißigjährigen Krieges so sehr geknickt, daß die Mitte des siebenzehnten Jahr­hunderts nicht einmal auf der Höhe der des sechzehnten steht.

Max Allihn.

Der Mckschlag in Sachsen.

Dresden, 9. April.

Es gibt Pyrrhussiege auch in der Politik. Ein Solcher ist es hoffent­lich, den jetzt die Herren v. Gerber und von Zehmen vereint über die II. Kammer und ihre liberale Majorität davongetragen. Herr v. Gerber wird durch die Publication seines confessionalistischen Schulgesetzes nicht populärer werden, und der Wiedereintritt des Herrn v. Zehmen in die I. Kammer, die er als grollender Achill verlassen wollte, wird — zumal unter den Um- ständen, unter denen er erfolgt, die berechtigte Abneigung des Volkes gegen diese Körperschaft, wahrhaftig nicht vermindern. Das möchte nun sein; wir würden uns darum nicht sonderlich grämen. Aber was selbst den schmer­zen muß, der sich für Herrn v. Gerbers Popularität und für das Ms ans Ende der Dinge" der I. Kammer nicht zu erwärmen vermag, das ist der Gedanke, wie durch Vorgänge dieser Art der ruhige Gang der Entwicklung in den inneren Verhältnissen Sachsens, der in so schönem Fluße zu sein schien, auf bedenkliche Weise unterbrochen, das Vertrauen zu den leitenden Staatsmännern erschüttert, die beim jüngsten Landtag anscheinend angebahnte Annäherung zwischen Ministerium und Volksvertretung in ihr Gegentheil, Wiederentfremdung und Verbitterung verwandelt, ja die Temperatur der Volksstimmung unmittelbar gegenüber dem Throne, die in neuester Zeit ge-