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Vom deutschen Reichstag und vom preußischen Landtag.
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dauern. Sollte das eine oder andere Haus nicht beschlußfähig sein, so würde das die gesetzgeberische Thätigkeit aus ein anderes Gebiet lenken müssen. Unter dem Eindruck dieser Worte nahm das Herrenhaus den Antrag Bernuth an. Von den Bänken der Rechten erschallte bei den Worten des Fürsten der Ruf: Octroyirung?" Der Fürst hatte aber offenbar nicht wollen eine Octroyirung in Aussicht stellen, sondern die Reform des Herrenhauses, vielleicht auch die Herabsetzung der zu einem Beschluß erforderlichen Mitgliederzahl im Abgeord­netenhause. Die Annahme der Kirchengesetze auch im Herrenhause scheint nach der Abstimmung über den Antrag Bernuth gesichert, welche mit 74 gegen 38 Stimmen erfolgte.

0r.

Aas sächsische Mgeordnetensest in Leipzig.

Nahezu ein Menschenalter ist vorüber, seitdem die Stadt Leipzig zum letzten Male in ihren Mauern die freisinnigen Mitglieder der sächsischen Kam­mern zu einem Ehrenfeste vereinigte. Dem Schreiber dieser Zeilen liegen die vergilbten Programme, Festlieder und Zeitungsberichte vor von jenem ersten Abgeordnetenfeste der Stadt Leipzig. Und daneben ist ihm der Festabend des 6. April d. I. in lebendiger Erinnerung. Welcher Abstand zwischen jener Zeit und der gegenwärtigen! Was hieß damals freisinnig, was heute! Wer galt damals für deutsch gesinnt, wer heute!

Die allgemeinen Betrachtungen, welche dieses Fest aufdrängt, rechtfertigen wol seine Erwähnung in diesen Blättern. Das Leipziger Fest vom S. April ist dem Kenner unsrer Verhältnisse ein erfreuliches Zeichen für die Fortschritte, welche in Sachsen die politische Bildung und Theilnahme Aller am öffentlichen Leben, die Vertretung der streng nationalen Richtung im sächsischen Landtage und das Gefühl der Solidarität aller reichstreu-freisinnigen Abgeordneten auf­zuweisen haben. In Berlin werden die festlichen Vereinigungen der liberalen Parteien in drei Zeilen in den Localnachrichten abgethan. Ein Zweckessen derselben Fraktionen in Cöln oder Breslau dagegen würde, nicht blos als Trumpf gegen die ultramontone Agitation, bedeutendes Aufsehen erregen. Und das Fest in Leipzig verdient aus mehr als einem Grunde ein noch höhe­res Interesse.

Kaum in einem andern deutschen Bundesstaate ist das junge Geschlecht, auf welches die Jetztzeit in ihren schweren Kämpfen vor Allem zu zählen hat, so gründlich von obenher verderbt worden, als in Sachsen. Die ganze ge­sittete Welt mag sich genügen lassen an reichlicher Verachtung und kühlem Mitleid mit dem Träger desSystems Beust", der seine ungewöhnlichen