477
Die deutschen Werlujie im Kriege gegen IranKreich.
Der unermüdliche, geistvolle Leiter des Preuß. statistischen Bureau's, Dr. Engel, hat in diesen Tagen eines jener Werke veröffentlicht, welche selbst dem Laien in statistischer Wissenschaft imponiren müssen durch die wunderbare Bewältigung eines scheinbar chaotischen Stoffs, durch die großartige Deutlichkeit der Resultate und die vielseitigste Ausnutzung der Zahl als des einfachsten Ausdrucks für die gewaltigen Anstrengungen, die ein hochgebildetes Volk für seine höchsten Güter nur einsetzen kann. Wenn I)r. Engel gar keinen andern Antheil an dem großen Kriege genommen hätte, als denjenigen, den sein Werk „die Verluste der Deutschen Armeen an Offi- zieren und Mannschaften im Kriege gegen Frankreich 1870 und 1871 (Berlin, Verlag des k. statist. Bureaus)" bekundet, so würden wir diesen einen Antheil doch so hoch zu schätzen haben, als irgend eine patriotische Leistung eines andern einzelnen Deutschen in den zwei großen Jahren. Aber diese Arbeit ist mehr als die Leistung eines Einzelnen, sei er auch noch so gelehrt und thätig. Sie ist ein bedeutsames Zeugniß für die Zuverlässigkeit, Vollständigkeit und allseitige Gerechtigkeit unsrer amtlichen Quellen, selbst in den aufregendsten Zeitläuften, und zugleich für die Unbefangenheit der Kritik deutscher Wissenschaft. Wir behaupten wohl nicht zu viel, wenn wir hinzusetzen: nicht bloß unsern geschlagenen Feinden wird ein gleichartiges Werk niemals möglich werden, sondern kaum eine andere Nation wäre einer solchen Leistung so kurze Zeit nach einem mit Anspannung aller nationalen Kräfte, der geistigen wie der materiellen, geführten Kriege fähig gewesen. Es frommt nicht, hier in das unendliche und doch so klar geordnete Zahlenwerk dieses großen Werkes einzutreten, da doch nur Einzelheiten herausgehoben werden könnten. Aber wie vielseitig und großartig Engel die Aufgabe seiner Wissenschaft gegenüber dem Deutschen Kriege gegen Frankreich auffaßt, erfahren wir schon aus dem „allgemeinen Theil" dieser Arbeit, in welchem das ganze kolossale Material, welches im vorliegenden Werke behandelt wird, nur als ein kleiner Bruchtheil erscheint jn der Lösung der von Engel selbst gesetzten Gesammtaufgabe oder, statistisch ausgedrückt', nur als eines von den 23 Kapiteln der Gesammtdarstellung dieses Krieges. —
Engel selbst verweist große Abschnitte dieser Gesammtaufgabe an andere Wissenschaften, ja er erklärt dieselben mit vollem Rechte bereits in vollendeter Weise gelöst, besonders die strategisch-taktischen Abschnitte, welche das große Generalstabswerk behandelt. Ja, er gesteht sogar einen großen Antheil an der tüchtigen Vollendung des vorliegenden Werkes dem Calculator des statist. Bureau's Herrn Kreuzer zu. während er für sich nur die Jnvention der leitenden Ideen, die mühsame Beschaffung des Materials und die Anleitung zur Benutzung der Quellen in Anspruch nimmt. Damit ist das Werk nicht weniger sein eigenes. Aber auch der unendliche Fleiß, die nimmerrastende Mühe Kreuzer's, welcher jeder der hier veröffentlichten Angabe über Namen und Daten, jeder Zahl eine sorgfältige und intelligente Kontrole widmete, verdient die höchste Anerkennung. Ihm verdanken wir die Klarheit und Vollständigkeit der Tabellen des „speziellen Theils". Nur ganz übersichtsweise zählen wir die Disposition des Werkes und den Inhalt der einzelnen Tabellen auf Die ersten 6 Tabellen widmen sich einer Darstellung der Gefechtsverluste, und zwar enthält Tab. 1, die Verluste der einzelnen Truppentheile innerhalb der verschiedenen Grenzen; Tab. 2. in den verschiedenen Affairen (Schlachten, Gefechten, Belagerungen, Cernirungen :c., Verunglückungen hierbei