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Reiseskizzen aus Belgien : Ostende. Gent.
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gebracht, weil die Gestalten in der Umgebung heimischer Zustände nun mensch­licher, dem Leben näher gebracht erschienen. Gewaltig in der Conception und ergreifend im Ausdruck ist die Hauptgruppe, in der Mitte Gott-Vater thro­nend, rechts neben sich die demuthsvolle Mutter des Heilands, links Johannes der Täufer. Leider hat man die Nebentafeln, welche zu dem Bilde gehören, fast sämmtlich entfernt; zum Theil befinden sie sich in Brüssel, zum Theil im Berliner Museum. Offenbar würde es pietätvoller gegen den großen Meister gewesen sein, hätte man das Bild ganz in Gent belassen. Das Haus, in dem Gebrüder van Eyck letzteres malten, steht am Blumenmarkt; eine In­schrift macht die Touristen auf dasselbe aufmerksam; in der Krypta von St. Bavon zeigt man Huberts und seiner ebenfalls kunstgeübten Schwester Mar­garethe schmuckloses Grabdenkmal. Wir besahen noch die Kunstschätze der St. Michaelskirche, darunter einen herrlichen van Dyck (die Kreuzigung) und die schöne Kanzel, hatten aber keine Neigung, uns diese Genüsse durch Ansicht der Nachtseiten des menschlichen Daseins in der maison äe clötention (Zuchthaus) am Park St. George und an der versandenden Coupure des Lys wieder zu verkümmern; es winkte uns ja noch Antwerpen, wohin wir jetzt eilten. G. T.

Dom preußischen Landtag.

Berlin, den 2. Februar 1873.

Am 27. Januar fuhr das Abgeordnetenhaus in der Berathung des Staatshaushaltes fort. Die Ausgaben für die Ministerien der Justiz und der Landwirthschaft standen auf der Tagesordnung. Bei solchen Verhand­lungen, deren Gegenstände ja in der Hauptsache geordnet und festgestellt sind, erregen nur einzelne Zwischenfälle das allgemeine Interesse. Ein solcher kam diesmal vor. als Herr Virchow den neuen Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten, Grafen Königsmarck, auf Grund eines Gerüchtes beschuldigte, als Landrath des Kreises Chodziesen einen Abdecker zum Kreisthierarzt be­stellen gewollt zu haben. Der Minister berichtigte die Thatsache dahin, daß er niemals Landrath des betreffenden Kreises gewesen, daß aber einer seiner Söhne daselbst wohnt, welcher sich kürzlich an das landwirthschaftliche Mini­sterium mit der Bitte wandte, die offene Kreisthierarztstelle mit einem wissen­schaftlich gebildeten Thierarzt zu besetzen, weil inzwischen dort ein Abdecker Medizinalpfuscheret' getrieben. Mit einer Unbefangenheit wie sie nur Herrn Virchow möglich ist, äußerte derselbe seine Befriedigung, ^ der landwirth­schaftliche Minister im Stande gewesen, die über ihn umlaufende Anekdote zu berichtigen. In weiteren Kreisen entsteht dagegen vielfach die Frage, ob das die rechte Erfüllung der Abgeordnctenpflicht ist, auf Grund beliebiger Anek-