302
Ladungen übergab ihm Stanley, so daß er für vier Jahre nun wieder mit Vorräthen versehen war. Am 14. März nahmen beide Abschied von einander und am 6. Mai war Stanley, nachdem er aufs Ruhmvollste seine Aufgabe durchgeführt, wieder in Vagamojo.
Das ist in kurzen Worten der Verlauf der Stanley-Livingstone-Expedition, die in der Geschichte der Erdkunde wie in jener des Zeitungswesens für immer ein glänzendes Blatt sein wird.
Mstor Kröte und die Semen.
Aus Hannover.
Ich bin weit entfernt, über den jüngst in Hannover verhandelten Proceß Grote juristische Betrachtungen anstellen zu wollen. Noch weniger will ich die Frage beantworten, ob der welfische Pastor der Vergehen schuldig, deren man ihn anklagt. Das mag er selbst mit seinen Richtern ausmachen. Für uns Andere hat das wenig Interesse. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind dagegen die Aufklärungen, welche uns jener Proceß über den Bestand, über das wechselseitige Verhältniß und über die Taktik der betreffenden politischen Parteien gebracht hat. Wir halten uns hier an die zur Oeffentlichkeit gelangten Urkunden, deren Aechtheit von allen Seiten anerkannt ist. Betrachten wir uns zunächst die Briefe des Kaufmanns Eduard Kerrl, welche zum Theil an den Pastor Grote, zum Theil an die welfisch gesinnte Redaktton der „Hcmnover'schen Landes-Zeitung" gerichtet sind. Die Briefe datiren von Anfang 1872. Pastor Grote verweilt in Gmunden am Traunsee, um dort seine Geschäfte zu betreiben. Ich werde darüber weiter unten berichten. Kaufmann Kerrl schreibt nun an den „am Hofe des Königs" weilenden Pastor. Der Eingang seines Briefes macht die höchsten Erwartungen rege. Er lautet sehr pathetisch, nämlich so: „Gruß, herzlichen Gruß zuvor! Sie weilen jetzt in der geheiligten Nähe unseres Königs, geleite der Herr Ihre Schritte und stärke Sie mit seinem heiligen Geiste, daß von Ihrer Zunge wahrhaftige Worte des Trostes und der Ermuthigung für unsern König und Herrn stießen mögen!" Und was folgt dann? Die Uebersendung einiger Unterstützungsgesuche, vulgo „Bettelbriefe", welche Herr Kerrl Herrn Grote zur Befürwortung empfiehlt. Der eine ist von einem gewissen Thies; derselbe ist von einem gewissen Becker bei Georg Rex angeschwärzt worden; er soll namentlich in der Weinschenke mit einem „preußischen" Polizei-Beamten „conspirirt", d. h. ein Paar Worte gesprochen, und sonstige Schandthaten dieser Gattung verübt haben. Herr Kerrl versucht es, den Angeschwärzten „Höchsten Orts" rein zu waschen und behauptet, Becker habe „gelogen".