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Statthalter beim Landeshauptmann ein, und übergab ihm als Antwort darauf die Mittheilung: „daß der tiroler Landtag wegen Verweigerung der nach §. 6 der Geschäftsordnung obliegenden Pflichterfüllung und dadurch herbeigeführten Beschlußunfähigkeit über besonderen allerhöchsten Auftrag (!) geschlossen ist." Sollte das Gesetz aufrecht erhalten und die Würde der Regierung gewahrt werden, so mußte vor allem auf Abnahme des Handgelöbnisses bestanden, und die Interpellanten durch den Landeshauptmann oder dessen liberalen Stellvertreter gedemüthigt werden. Statt dessen ersparte Graf Taafe dem Landeshauptmann die wohlverdiente Beschämung und bot den Jesuiten Gelegenheit, die Sitzungen des Landtags durch Clubbeschluß aufzuheben und die Durchführung des Gesetzes zu hindern. Der Sieg stand daher auf ihrer Seite, er war die Prämie ihres Trotzes, und die hinkende Antwort des Statthalters enthielt nur ein Geständniß der ministeriellen Schwäche.
Jeder andere Statthalter hätte für dieses Vorgehen seine Entlassung erhalten, Graf Taafe aber sitzt nun auf seinem Posten fester als je. Er gilt an maßgebender Stelle als der einzig mögliche Regierungsvertreter für Tirol, und wenn einmal wieder die Fundamentalartikel zum Zuge kommen, als der künftige Präsident des Ministerrathes. Seine Beziehungen zu hohen Personen entheben ihn jeder Verantwortlichkeit, und zarte Frauenhände sind bemüht sie noch enger zu knüpfen. Die schlechte Lösung der Aufgabe, die ihm übertragen war, dient ihm nur zu neuer Empfehlung bei jener höheren Macht, die wie aus den Wolken Oesterreichs Geschicke lenkt. Für das gegenwärtige Ministerium aber ist dieser Vorgang ein neuer Beweis, daß die Wahlreform seine Lebensfrage ist. In ihr liegt die Grundbedingung des Fortbestandes, die Bürgschaft der Verfassung.
Vom preußischen Landtag.
Berlin, 8. December 1872. Am 30. November hat der König die Ernennungen von 24 Pairs vollzogen. Wie verlautet, waren 25 Berufungen beabsichtigt. Die Zahl ist nicht erreicht worden, weil der Staatsminister Freiherr v. d. Heydt aus Gesundheitsrücksichten die Berufung abgelehnt hat. Offieiell ist die Liste der neuen Ernennungen erst in der Sitzung des Herrenhauses vom S. December bekannt geworden, wo der Präsident Graf Stolberg dieselbe verlas. Die meisten Namen indeß, sowie die Zahl derselben, waren seit Anfang der Woche bekannt, wo den Ernannten ihre Berufungen zugestellt wurden. Es ist auffallend, mit welcher Enttäuschung die Ernennungen in einem großen Theil der Presse aus-