431
was an dem kleinen Hofe einer gefallenen Dynastie vorgeht. Schwer läßt sich eine menschliche Laufbahn vorstellen. die weniger Wohlgefallen und Befriedigung erweckte, als die des Erben einer entthronten Familie, der fortwährend Besucher empfängt, die mit denselben langweiligen und melancholischen Schmeicheleien kommen. Wenn der gute Heinrich V. aber Herrn von Ville- messant empfängt, so erfreut er sich der Abwechselung einer ganz eignen Sorte von hofmännischer Denkart und Rede. Der Redacteur des „Figaro" betet den Chef der Bourbonen an, aber er betet ihn mit ganz absonderlicher Freimüthigkeit an. Er sagt z. B. dem Grafen geradeheraus, was für ein hübsches Gesicht er hat, setzt aber sogleich hinzu, wäre er auch so häßlich wie Papa Cre'mieux, so würde er, Villemessant, trotzdem seinen legitimistischen Grundsätzen treu bleiben, und übrigens könne er seinen Henri Cinq mehr leiden als er's eigentlich verdiene. Worauf Henri sogleich zu antworten pflegt: „Geht mir mit Ihnen ebenso." In der That, kein amerikanischer Interviewer hat solche Offenheit bis jetzt überboten. —- o —
Auf dem Schlachtfelds von Waterloo.
Brüssel, Anfang Decbr. 1872. Wir hatten nun genug gesehen von den „?etites Davaiäks" im Theater Alhambra, in denen die hochgeschürzten Ballerinen beim Tanzen als Augenweide für den „süßen" Mob jedesmal durch Reflexstrahlen von bengalischem und elektrischem Lichte in allen möglichen Regenbogenfarben colorirt wurden, wir hatten die Princesse de Trebizonde und den „Re'veillon" in dem Musentempel der prachtvollen Galene St. Hubert, für welche jeder Brüsseler leidenschaftlich eingenommen ist, ferner im M^atre cio lg, Nonnais die französisch singende, aber deutsch fühlende Primadonna Fräulein Edelsberger bewundert, wir hatten die Museen Brüssels, selbst Würtz's hypergeniale Compositionen im grandiosen Style Ruben's gesehen, hatten täglich unsre Irrfahrten zwischen dem Lake äes Nille Oolonnss, im Vergleich zu dem unsre deutschen vaUg wahrhafte Troglodyten-Wohnsitze sind, und dem Oak6 au eorele getheilt, dessen Name den guten Brüsseler Bürgern eine seltsame Beziehung zu dem Preußischen Gesetze „sur les cercles" (Kreisordnung) zu haben schien, — und wollten nun endlich „etwas Anderes" genießen, das einen wohlthätigen Gegensatz zu alledem bildete, und geeignet war, unser ästhetisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Waterloo war die Parole. Freilich