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Unpolitische Briefe aus Berlin : die Kunstausstellung.
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Was die Porträts betrifft, so zeigen sie im Allgemeinen, wie viel reiche Leute es heut zu Tage giebt, die das Vergnügen bezahlen können, sich so imposant, als es sich thun läßt, zur Schau gestellt zu sehen. Am meisten künstlerisch bei solchen Aufgaben weiß Gustav Grcif zu verfahren, indem er den äußerlichen Effect vermeidet und auf den von Zuthaten unbeeinträchtigten Ausdruck des individuellen Lebens mit Glück ausgeht. Das Porträt einer eleganten Salondame prunkt dennoch nicht mit dem Effect, Sammt. Seide und Juwelen wiederzugeben, wie sie am Kauftisch glänzen. Auch ist es keine jener Zurschausitzungen oder Zurschaustellungen. Die Dame stützt sich, wie in zwanglos bewegter Unterhaltung, vorübergehend mit beiden Händen auf die­selbe Stelle des Divans, was der ganzen Figur einen äußerst lebenswahren Ausdruck verleiht.

Unter den plastischen Bildwerken ist Begas badendes Mädchen, in Mar­mor ausgeführt, der Gegenstand der Bewunderung oder des verwerfenden Tadels. Denn dieser Künstler hat es dahin gebracht, daß er nur noch Be­wunderer oder Feinde zählt. Eine Stellung, die zuweilen dem wahren Genie, zuweilen auch der falschen Prätention zu Theil wird. Wir möchten uns, einige Wünsche vorbehalten, für die Bewunderer des Künstlers und für die Echtheit seiner genialen Kraft erklären. Aber den Streit, den seine Werke bereits erregt haben, können wir hier nicht ausfechten. Was die vorliegende Figur betrifft, so drängt sich ihr lebensvoller Reiz auch dem Widerwilligen auf. Diese üppigen und doch jugendlich zarten Formen, die mit dem halb kindlichen Gesicht nicht in Widerspruch stehen. Aber allerdings ist die Durchbildung der Formen keine gleichmäßige und an einigen Theilen der Gestalt wird die Ueppigkeit zur Un- sorm. Es ist das. was Begas Gegner am meisten an ihm tadeln, daß er über den glücklichen Wurf des Ganzen, über den Zauber einzelner Partien unbesorgt wird um andere Partien, die nun ausfallen müssen, wie es die Anlage fordert, unbekümmert, ob das schön oder wenigstens naturwahr, oder auch nur möglich ist. Der vollendete Künstler legt seine Werke so an, daß kein Theil der Ausführung ihn aus das Unschöne, geschweige denn auf das Unmögliche bringt. Felix Calm.

Berichtigung.

In dem Artikeldie Wallfahrt nach Lourdes", Heft 43, S. 168, 7. bis 10. Z. v. o. ist durch ein in letzter Stunde vor dem Druck erfolgtes bedauer­liches Versehen gesetzt worden:1854 war in Rom das neue Dogma von der unbefleckten Empfängnis? der Mutter Gottes proclamirt worden, d. h. die Lehre, daß sie ohne Zuthun eines Mannes also auf übernatürliche Weise vom heiligen Geist empfangen habe", stattvom heiligen Geist empfangen worden". Obwohl unsern Lesern sicherlich bekannt ist, daß dieses neue Dog­ma Pius IX. in der Lehre besteht, daß auch die Mutter Gottes unbefleckt empfangen worden sei, und daher jener ärgerliche Setzerfehler von ihnen bereits berichtigt sein wird, so hielten wir uns doch verpflichtet, auch unsrer­seits besonders darauf hinzuweisen. D. Red. d. Grenzböten.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. Hanö Blum. Verlag von K. L. Hervig. Druck von Hiithtl Segler in Leipzig.