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Frankreich und die allgemeine Wehrpflicht. VII.
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Frankreich und die allgemeine Wehrpflicht

von

Max Jähns. VII.

Schon im Jahre 1806 begab es sich, daß Napoleon in offener Sitzung des Staatsrathes laut ausrief: „Wenn ich falle, so wird auf der Fahne derer, die mich verdrängen, geschrieben stehn: „Keine Conseription mehr!"*) Ein prophetisches Wort; es geschah genau wie er vorausgesagt. Schon der Graf von Artois, welcher 1814 als Generalstatthalter dem Könige vorauseilte, verkündete überall: nun nehme das Kriegführen ein Ende, die Conseription höre auf! Es ist unberechenbar, wieviel diese tausendfach wiederholte Verheißung dazu beitrug, den Bourbonen den Weg zum Thron, ja zum Herzen Frankreichs zu ebnen. — Trotz dieses friedlichen Programms mußte sich jedoch natur­gemäß gleich die erste Thätigkeit der neuen Regierung dem Heere zuwenden. Die erste Verordnung, welche sie traf, war der Befehl, die weiße Kokarde auf­zustecken. Zugleich richtete sie eine Ansprache an die Armee in demselben Sinne, in welchem Artois zu den ihn begrüßenden Marschällen gesprochen: Frankreichs Heer habe den französischen Namen verherrlicht; darum mache der König auf jede ihrer Heldenthaten Anspruch. Endlich wurde angekündigt, daß ausgedehnte Beurlaubungen stattfinden würden, von welcher Gunst aber alle Ausreißer ausgeschlossen seien, die sich nicht in kurzer Frist gestellt hätten. Die Desertion hatte nämlich ganz außerordentlichen Umfang angenommen und mußte mit ernsten Zwangsmaßregeln bedroht werden.**)

Am 30. Mai schloß man den Frieden von Paris und zehn Tage später verlieh Louis XVIII. bei Eröffnung der Kammern jene Charte, deren für das Heerwesen wichtigster Satz lautet: eonserixtion est adolis, 1'ai-m6<z ss reernts xg.r äks enMMinents voloutAires.^ — Vorläufig handelte es sich jedoch nicht um Recrutirung, sondern um Reorganisation der starken vor­handenen Armee.

*)- voutirav- Instiwtions «iliwirss ,5 z?^nos. ") Ott- Geschichte der letzten' Kärnpfc Napoleon's,

Grenzboten III. 1872. 51