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Deutsche Staatsmänner und Abgeordnete : Clodwig, Fürst zu Hohenlohe-Schilingsfürst.
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Deutsche Staatsmänner und Abgeordnete»

Clodwig, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst.

Die Wahrheit über bedeutende politische Zeitgenossen erfährt man nicht von denen, die an ihrer Seite ziehen oder mit ihnen im Hader liegen, nicht aus den gefärbten Berichten der Tagespresse, die meist dem Erfolg des Augen­blicks dienstbar ist, nicht aus dem Urtheil der herrschenden Meinung, sondern aus dem Lebensgang, den Worten und Werken, die den Mann' kennzeichnen; und am sichersten, wenn die übereinstimmende Liebe und Achtung aller pa­triotischen Männer dem aus der großen Oeffentlichkeit scheidenden Politiker aufrichtig und dauernd nachfolgt. Von diesem Gesichtspunkt aus möchten wir un­sern Lesern das Leben und Wirken des Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst vorführen an der Hand vorzüglicher Quellen. Der bayerische Premier Hohenlohe ist gewesen, und nur der schlichte schweigsame bayerische Reichsrath und deutsche Neichstagsabgeordnete Hohenlohe ist auf politischem Gebiete heut thätig. Alles was in Bayern deutsch denkt und empfindet, blickt in die Vergangenheit, da Hohenlohe das Staatsruder leitete, mit wahrem tiefem Heimweh zurück, zumal seit nach dem frühen Tode des Grafen Hegnenberg-Dux zum Nachtheil der nationalen Sache die alte geheime Vertraulichkeit zwischen München und Stuttgart sich ent­wickelt. Keiner von denen, welchen er als Minister zu preußisch oder zu bayerisch, zu fromm oder zu freigläubig gewesen, verkennt heutzutage, daß er das Staatsschiff unter schwierigsten Verhältnissen mit großer Kunst durch die enge richtige Straße gesteuert hat. So lautet das übereinstimmende Urtheil schon heut über ihn. Verfolgen wir seine Laufbahn.

Niemand mochte dem Fürsten vorhersagen, daß er dereinst, mit Glücks­gütern reich gesegnet, ein hervorragendes Haupt deutschen Adels, seinem Ge­schlecht insbesondere, sein werde, als er am 31. März 1819 dem Fürsten Franz Joseph von Hohenlohe-Schillingsfürst (Waldenburgische Linie) zu Rothenburg in Hessen geboren ward. Denn er war der zweit- geborne Sohn, und die sehr zahlreiche Familie hatte, durch Unfälle aller Art in ihrem Vermögen zurückgekommen, keine Secundogenituren zu vergeben. So ward Clodwig Carl Victor schon früh zum Schassen und Lernen, zum Schmied des eigenen Glückes bestimmt, während dem älteren Bruder, dem Grenzboten III. 1872. g