Frankreich und die allgemeine Wehrpflicht
von
Max Jähns. II.
Das Symbol der französischen Republik war der Freiheitsbaum. Wohin die Citoyens ihre zweideutigen Gaben der LibczM, I5Mlit,6 et 1^- tm-uitü brachten, da pflanzten sie auch Freiheitsbäume, die aber sehr selten Wurzel schlugen. Gepflanzt im Rausch einer enthusiastischen Stunde, umtanzt und umjubelt von einer hingerissenen Menge, waren es entweder nur aufgeputzte Masten, oder, wenn es wirklich junge Bäume waren, so fanden sie selten ruhige und gleichmäßige Pflege, welche doch allein Fortgang verbürgt und Gedeihen sichert. — Ein solcher Freiheitsbaum ist auch das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht. Es bezeichnet den Höhepunkt der militärisch-organisatorischen Leistung, welchen Frankreich überhaupt jemals erreicht hat; aber es ist eben ein Höhepunkt, kein Anfangspunkt, und das Gesetz selbst erklärt sich schon als etwas Vorübergehendes durch die Bestimmung: es solle gelten so lange das Vaterland bedroht sei. — Als Höhepunkt jedoch ist die mit dem 23. August beginnende Leistung immerhin eine der gewaltigsten und großartigsten der neueren Geschichte und verlangt, daß wir ihr noch einige Aufmerksamkeit widmen.
Die Stärke, welche die französische Armee in Folge des neuen Aufgebots erhielt, ist gewöhnlich weit übertrieben worden. Die Franzosen liebten es, und lieben es sogar noch heut, von mindestens einer Million Streitern und von 14 Armeen zu sprechen. Was die letzteren betrifft, deren Herzählung auch in neueren Werken noch*) mit großem Pompe vorgenommen wird, so genügt es, zu erwähnen, daß jener großen Zahl zu Liebe Truppenkörper wie die ehemalige Garnison von Mainz oder das Rekrutendepot der Nordarmee als besondere „Heere" in den Listen figuriren. — DiL Zahl der Streitkräfte anlangend, so betrug dieselbe, der Aufstellung des Herzogs von Au- male zufolge, am 1. Januar 1794 effektiv 770,932 Mann. Wenn man hier-
") z. B. in Pascal's: IIistlM'0 c!o I'^rmS». Grenzboten I. 1872.
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