Beitrag 
Rößler, Constantin : Hinterlassene Schriften von G. G. Gervinus.
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

Nahme, als einen fremdartigen Zufall in der verdienstvollen Laufbahn des Mannes anzusehen.

Unsere Auffassung ist die entgegengesetzte. Wir sehen in den letzten Handlungen den ganzen Mann, der er immer und von jeher gewesen ist. Wir stehen darin auf der Seite seiner unbedingten Verehrer. Nur daß wir für Pflicht halten, ganz zu verurtheilen, wo diese ganz verehren. Die sentimental halbirende Gerechtigkeit iann in solchen Dingen nichts frommen. Es handelt sich um eine wesentliche Seite unserer Selbsterkenntniß. Es handelt sich um die Ausbrennung einer ungesundesten Ader in unserem nationalen Se^dst.

Wem unser Urtheil zu hart dünkt, wem Widerspruch geboten scheint, dem sind wir bereit, weiter Rede zu stehen und weitere Beweismittel vorzu­legen. Die zweite derhinterlassenen Schriften" bietet deren die Hülle und Fülle. Und in den Schriften von Gervinus, die der Vergangenheit ange­hören, sind sie nur übersehen worden.

Es handelt sich nicht um einen einzelnen Mann, sondern um einen ver­derblichen Keim, den die Schäden der Vergangenheit in uns gelegt haben. Es handelt sich nicht um Pietät, sondern um Heilung.

Constantin Rößler.

MXico und seine neueste Revolution.

Mit ihren auswärtigen Beziehungen kann die Republik Mexico zufrieden fein. Im Juli 1871 ist der spanische Gesandte vom Präsidenten Juarez in feierlicher Audienz empfangen und damit die feierliche Versöhnung der beiden Völker, die seit dem Jahre 1862 in Feindschaft geschieden waren, vollzogen worden.

In frischer Erinnerung stehen die Verwickelungen der Republik mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche man in Mexico als den gefähr­lichsten Feind haßt wie fürchtet, .da man ihnen fchon seit längerer Zeit die Neigung zuschreibt, das Land mit ihrem Gebiet zu vereinigen. Die mexiea- nische Regierung zeigte im Gefühle ihrer durch die Natur und Lage des Landes gebotenen Sicherheit ein übermüthiges Benehmen, das mit der Zeit so unerträglich gefunden wurde, daß die Amerikaner die Geduld verloren; in Washington ging im September das Gerücht, es bedürfe keines großen Druckes, um den Präsidenten Grant zu entschiedenen Schritten gegen Juarez zu bewegen. Man sprach von mehreren Unbilden, welche der amerikanischen Schifffahrt zugefügt wurden, unter welchen namentlich die Wegnahme eines amerikanischen Fahrzeuges im Rio Grande, unter dem Vorwand, daß es